Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Zweiter Jahrgang

Feldpost März 1943


41.
1.3.43
Mein liebstes Schätzchen!
Nun ist schon wieder ein Monat vorüber und es ist schon März. Bei uns ist es jetzt gar nicht mehr schön. Das Wetter ist ja wunderbar, aber wir haben nun wieder sehr viel Dreck u. vor allem Wasser. Wir sind von morgens bis Abends damit be­schäftigt Brücken u. Wege, die sogenannten Knüppeldämme zu bauen, damit wir wenigstens innerhalb der Stellung auf dem Trockenen gehen können. Mein liebs­tes Schätzchen, entschuldige bitte vielmals, dass ich Dir jetzt so wenig schreibe, aber wir sind abends froh, wenn wir endlich heim können. Diese Arbeit ist aber sehr wichtig und es ist doch besser, wenn wir trockene Stiefel anhaben anstatt nas­se. ...


42.
5.3.43
Mein liebstes Schätzchen!
Heute erhielt ich von Mutter einen Brief, der mir einen ordentlichen Schreck eingejagt hat. Ach meine geliebte H..., hoffentlich ist es nicht sehr schlimm und Du fühlst Dich wieder wohl, wenn Dich mein Brief erreicht. Mein liebstes Schätzchen, sei doch bitte vorsichtig und bleibe von dieser Leiter weg. Ich darf ja gar nicht dar­an denken, was da hätte passieren können. Ach wenn ich doch wenigstens bei Dir sein könnte.
Mein herzallerliebstes Schätzchen, ich habe es ja gespürt, dass irgend etwas los sein musste. Ich bin ja schon so unruhig geworden, weil ich keine Post von Dir erhielt. Und nun bin ich so weit weg von Dir und kann Dich nicht besuchen und auch nicht helfen. Ach mein Liebling, hoffentlich kommt recht bald ein Brief und die Nachricht, dass es Dir wieder besser geht. Nun habe ich keine Ruhe mehr, bis ich weiss, dass alles wieder gut ist und dass Du keine Schmerzen oder Beschwer­den hast. ...
Ach wenn ich doch mal wieder bei meinem liebsten Schätzchen sein dürfte. Aber wie lange müssen wir wohl noch darauf warten? Zu allem Unglück ist nun auch etwas dazwischen gekommen. Ich habe Dir ja schon geschrieben, dass wir jetzt Tauwetter haben und nun verwandelt sich ja alles wieder in Sumpf und Schlamm. Da wir im letzten Frühjahr genügend Erfahrungen dabei gesammelt ha­ben, sind jetzt alle sogenannten Strassen, die wieder einer grossen Schlammwüste gleichen, für jeden Verkehr gesperrt. Nun werden überall erst feste Knüppeldämme gebaut. Dadurch ist es nun auch leider vorläufig mit dem Urlaub vorbei, denn wir sind über 120 Km von der Bahn entfernt und wir können natürlich so weit nicht zu Fuss gehen, da wir ja dazu zu lange brauchen. Hoffentlich wird es nun immer recht warm, damit wir die Strassen bald wieder benützen können. Bis jetzt haben wir ja immer noch schönes Wetter. Es ist bei uns auch wieder ziemlich ruhig und so schlagen wir jeden Tag feste Bäume um, damit die Knüppeldämme auch recht bald fertig werden. ...


43.
6.3.43
... Im Radio kommt gerade so ein schönes Lied. Es heisst: Es ist so schön, dass Du wieder bei mir bist!
Ach mein liebstes Schätzchen, so schön diese Lieder u. Schlager auch sind, so kann einem der Text hier ordentlich auf die Nerven fallen. ...


44.
8.3.43
... Vielleicht haben wir Glück, dass die Urlaubssperre recht bald wieder aufgehoben wird. Aber dann geht es wieder los. Dann wird gerechnet u. kalkuliert wann wir frü­hestens zu Hause sein können. Weisst Du mein Liebling, diese Rechnungen ma­chen einen ganz netten Spass, aber zur Zeit auch Kopfzerbrechen, denn wir kön­nen ja nicht wissen wann es wieder weiter geht. ...
Ich freue mich ja so sehr, dass Du mir selbst noch im Bett schreibst. Aber weisst mein Liebling, Du sollst doch aber ruhig liegen bleiben, damit Du recht bald wie­der ganz gesund bist. Es wäre mir ja viel lieber, Du würdest mir vorläufig nicht schreiben, denn das strengt Dich doch sicher an. ...
Ja mein liebes Schätzchen, mir war es leider auch nicht möglich zu hören ob die Grüsse im Radio durchkamen. ...


45.
10.3.43
... Du schreibst mir da, dass ihr zu viert in einem Zimmer liegt. Ja bist Du denn im Krankenhaus? ...
Ach mein liebstes Schätzchen, am meisten freut mich ja deine Mitteilung, dass Du von deiner Arbeitsstelle nicht weg musst. Ich weiss ja, dass Du gerne in einen R-Be­trieb gehen würdest, aber wer weiss, vielleicht ist es ja ganz gut so. Weisst in so ei­nem Betrieb hast Du es bestimmt nicht so gut u. da kann so viel passieren an den Maschinen. ...


46.
13.3.43
Mein liebstes Schätzchen!
Nun ist es schon wieder Samstag Abend und ich habe Dir diese Woche wieder so wenig geschrieben. Bitte entschuldige vielmals, dass ich so wenig schreibe, aber wir haben ja wirklich so wenig Zeit, dafür aber umso mehr Arbeit. Du brauchst Dich aber nicht zu ängstigen, denn hier ist es bestimmt sehr ruhig. Wir hatten wohl gestern und Vorgestern mal wieder Ärger mit dem Russen u. haben uns um unsere Stellung gestritten. Er hat aber schnell den kürzeren gezogen. Ja, wir werfen halt auch nicht mit Schnee u. Eis, wie ein Teil der Russen. Die waren nämlich mehr Mann, als sie Gewehre hatten. Nun mein liebstes Schätzchen hat aber das Tauwet­ter uns sehr viel Arbeit gemacht. Überall müssen Knüppeldämme, Brücken u. Ros­te gebaut werden. ...

48.
16.3.43
... Mein liebstes Schätzchen, da hast Du ja recht, wenn Du schreibst, Du wolltest Deinen Mann für Dich haben u. die Uniform nicht mehr sehen. Aber ich werde Dich darin leider ein wenig enttäuschen. Denn mein Liebling, ich glaube sicher, dass wir nach dem Kriege doch wenigstens noch ein oder zwei Jahre Soldat sind. ...


50.
18.3.43
... Ich musste mich nach dem Essen bei unserem Bataillions Kommandeur mel­den. Das war dann eine schöne Überraschung, denn ich wurde mit Wirkung vom 1. März zum Unteroffizier (Uffz.) befördert. Na da habe ich mich ja sehr gefreut. ...


52.
21.3.43
Mein liebstes Schätzchen!
Nun ist wieder ein sehr schöner Sonntag zu Ende. Wir hatten heute wieder ganz wunderbares Wetter. Nun hat ja heute der Führer gesprochen u. er hat wieder die Urlaubssperre aufgehoben. Nun werden auch von uns die Ersten wieder auf Urlaub fahren u. dann bin auch ich mal wieder an der Reihe. Ich denke dass ich etwa Ende Juni, oder anfangs Juli wieder bei Dir sein darf. ...


55.
24.3.43
... Heute war wieder ein wunderschöner Tag. Die Sonne gab so schön warm u. ich war fast den ganzen Tag unterwegs. Es war heute sehr ruhig und so konnte ich die ganze Schönheit dieses Tages ungestört geniessen. Wenn wir nicht in Russland wä­ren, so könnte man dabei direkt vergessen, dass immer noch Krieg ist. ...


59.
31.3.43
Mein geliebtes Schätzchen!
Nun wird es aber höchste Zeit, dass ich Dir mal wieder ein paar Worte schrei­be. Bitte entschuldige, dass ich Dich so lange wieder auf Post warten liess, aber wir hatten in den letzten Tagen furchtbar schlechtes Wetter. Es regnet seit 3 Tagen un­unterbrochen u. da wir viel im Freien waren, hatten wir zu tun, um unsere Sachen wieder trocken zu bekommen. ...
Wir haben ja durch das Regenwetter überall nur noch Wasser u. Schlamm. Aber das alles kann uns ja nicht erschüttern. Der Schlamm geht auch mal wieder weg.
Meine liebste H..., am Sonntag sah ich mal wieder ein paar deutsche Zivilisten. Es waren zwei Mädels u. zwei Männer aus Graz, die uns wieder Volkslieder vorsan­gen. Es war ja ganz nett u. es hat uns allen auch gefallen, aber weisst Du, mein ge­liebtes Schätzchen, als ich dann wieder in meinem Bunker auf meiner Falle lag, da brach die Sehnsucht nach Dir ganz besonders stark aus. ...


Titelseite des Pdf-DokumentesGoldschätzchen, stell Dir doch
einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
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Autor: Peter Engelhardt
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