Feldpost und Kriegstagebücher des Lothar
Gruber
Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei
aus
Goldschätzchen,
stell Dir doch
einmal vor,
der Krieg sei aus
140 Seiten
10 Abbildungen
1,4 MByte
Bei XinXii
herunterladen
(Gebührenpflichtig)
Downloadseite
Zwei Jahre lang, vom Herbst 1942 bis Herbst 1944, begleitet
der
Leser des Dokuments anhand von 196 Briefen und
Briefauszügen den Soldaten Gruber durch das Kriegsgeschehen im
Baltikum und im Nordwesten Rußlands. Er erlebt seine Sorge um die
Lieben daheim, als die Bombenangriffe auf deutsche Städte zunehmen.
Das Warten auf Post, Übernachtungen im Schneegestöber auf freiem
Feld, die Hoffnung den Krieg doch noch zu gewinnen und das
sehnsüchtige Erwarten des Frostes von den Männern in ihren
Erdbunkern, damit der allgegenwärtige Schlamm
endlich gefrieren möge. Aber auch Grubers Sehnsüchte und
Träume kommen natürlich in den Briefen zum Ausdruck und immer
häufiger wünscht er sich, der Krieg sei endlich aus.
In den Antworten auf nicht mehr erhaltene Briefe aus der Heimat
erfährt der Leser auch einiges über die dortigen
Verhältnisse.
Militärisch knappe und vollständig wiedergegebene Tagebücher von
1941 und 1943 ergänzen das Bild des Wehrmachtssoldaten mit der
Feldpostnummer 35330D.
Dessen kurzes Leben ist schnell umrissen.
Seine Kindheit und Jugend verbrachte Lothar Gruber in
Stuttgart-Zuffenhausen, wo er am 29.4.1922 auch geboren wurde. Es
folgte eine Lehre als Maschinenschlosser. In dieser Zeit wurde er,
wie so viele andere, Mitglied der Hitlerjugend. Im Februar 1941
verpflichtete er sich auf 12 Jahre bei der Wehrmacht und wurde nach
der Grundausbildung zunächst in Frankreich eingesetzt. Dann jedoch
erfolgte die Versetzung nach Rußland, zur Heeresgruppe Nord vor
Leningrad. Am 9. September 1941 meldete er sich dort bei seinem
Bataillon zum Einsatz.
Zunächst war er einfacher Soldat, doch Gruber war ehrgeizig und so
wurde er am 1. März 1943 zum Unteroffizier befördert. Ein Vorfall
während der Ausbildung zum Unteroffizier im polnischen Deba, er
hatte betrunken einen Feldwebel angeschossen, brachte ihn vor ein
Kriegsgericht, doch ließ man Milde walten.
Während eines Fronturlaubs im Jahr 1942 lernte er seine große Liebe
H. G. kennen. Dieser Tatsache verdanken wir die fast komplette
Erhaltung von mehr als 300 Feldpostbriefen. 1943 folgte die
Verlobung und im Fronturlaub des Jahres 1944 heiratete das Paar.
Die Beiden hatten also lediglich dreimal für wenige Wochen Zeit für
ihre Liebe, in der ganzen anderen Zeit wurde die Beziehung aus der
Ferne nur über Briefe aufrecht erhalten. Sein Kind sollte er
niemals sehen, denn schon am 6. September 1944 fiel Gruber in Bahri
bei Mitau in Lettland.
Ein ganz normales Schicksal zu einer Zeit also, als das
verbrecherische NS-Regime ganz Deutschland und halb Europa in ihren
Klauen hielt. Doch sind hinterlassene Briefe und Tagebücher
authentischer als die späteren Erinnerungen von Überlebenden, da
völlig ungefiltert. Obwohl die Feldpostbriefe eigentlich
Liebesbriefe an seine Braut bzw. Frau sind, kommt Gruber doch sehr
oft auf allgemeine Dinge zu sprechen. So auf die militärische Lage,
im Radio gesendete Musik, das Essen, den Soldaten gezeigte Filme
und vieles mehr. Aber auch auf Erlebnisse an der Front. Dies macht
die Briefe aus heutiger Sicht interessant, doch wer die Briefe
liest, wird am Ende auch tief berührt über den Tod des Soldaten
Gruber sein.
Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei
aus
140 Seiten mit 8 auf diesen Seiten hier nicht
veröffentlichten
Fotos, 2 Tagebuchabbildungen und einer Übersichtskarte.
Das gesamte Dokument im PDF-Format in druckbarer Version kann
beim Marktplatz für elektronische Dokumente "XinXii" gegen eine
geringe Gebühr herunter geladen werden.
Leseproben aus den Briefen
26.11.42
Meine liebste H...!

Die Tagebücher aus dem Dokument
wurden in die russischeSprache übersetzt.
Heute komme ich nun endlich mal wieder zum schreiben. Bitte
entschuldige vielmals, aber es ging beim besten Willen nicht
früher. Wir sind nun mal wieder umgezogen und haben zwei
Tagesmärsche hinter uns. Wir liegen in einem kleinen Dorf und
müssen hier wieder sichern. Vor allem gegen Partisanen, aber auch
gegen reguläre Truppen. Vorläufig lässt es sich hier ja ganz gut
aushalten. ... mit Freude lese ich, dass es Dir immer gut geht.
Kann ja von mir auch dasselbe berichten. Ich bin immer gesund und
frohen Mutes. Nun bin ich gespannt, ob wir wenigstens über
Weihnachten hier bleiben dürfen. Hier könnten wir ein schönes Fest
verbringen. Hoffentlich haben wir das Glück. ..
Meine liebste H..., bei uns geht es eigentlich mit der Kälte immer
noch. Es hatte schon ganz nett geschneit, aber es war immer noch
zu warm. Der Schnee ging gleich wieder weg. Nun haben wir wieder
viel Schlamm und Dreck und wir wünschen direkt, dass der Schnee
endlich bleibt, damit der Dreck verschwindet. ...
4.
GESCHRIEBEN AUF FERN/FUNK/BLINK - SPRUCH FORMULARE
Russland, 6.Januar 1943
Mein liebstes Schätzchen!
Entschuldige bitte, dass ich Dir heute auf so einem Papier einen
Brief schreibe. Ich habe gerade so schön Zeit, aber leider kein
anderes Schreibmaterial zur Hand und ich möchte Dir doch ein paar
Worte zukommen lassen.
Meine liebste H..., ich sitze seit 7 Uhr heute früh hier auf
unserer vorgeschobenen Beobachtungsstelle mit meinem Funkgerät und
gebe unsere Beobachtungen an den Kommandeur durch. Heute geht es
hier ganz toll zu. Unsere Artillerie deckte den Russen direkt mit
Ihren Granaten zu. Es war ein tolles Schauspiel, als die Granaten
um 1/2 8 Uhr ankamen. Wir liegen etwa 400 m vor den russ. Bunkern
und konnten mit den Scherenfernrohren jede Einzelheit erkennen. Es
war geradezu ein gigantisches Schauspiel, wie unter den berstenden
Granaten die Bunker zerfetzt wurden, Bäume umfielen u. durch die
Luft geschleudert wurden. Dann setzten unsere Maschinengewehre ein
und der Stosstrupp trat zum Angriff an. Wir konnten alles genau
verfolgen. Dann waren sie an den Bunkern u. nun wurden unsere
Sprengladungen angebracht u. ein Bunker nach dem anderen flog in
die Luft. Der Russe hatte sehr hohe Verluste, eine ganze Anzahl
Gefangene, und unsere Männer kehrten alle wohlbehalten zurück. Nun
ist es 11 Uhr und in einer halben Stunde steigt dasselbe etwas
weiter rechts. Auch das wird gut gehen, denn schon rauschen wieder
die ersten Garben auf die russischen Stellungen.
Meine liebste H..., nun habe ich Dir auch einmal etwas von unserem
Leben hier geschrieben. Es ist alles gar nicht so gefährlich, wie
es aussieht, man muss halt ein bischen Glück dabei haben, ohne das
geht es natürlich nicht. Und Glück habe ich bis jetzt immer gehabt
und ich hoffe, dass es auch weiterhin so bleibt. Ach meine liebste
süsse H..., ich habe ja nun immer Dein liebes und schönes Bild bei
mir und es ist für mich ein Talisman und es wird mich immer und
überall beschützen. Ja mein Liebling, ich habe oft das Gefühl, wie
wenn mich Deine Liebe mit einem Panzer umgeben würde und mich so
vor jeder Gefahr schützt. ...
52.
- 21.3.43
Mein liebstes Schätzchen!
Nun ist wieder ein sehr schöner Sonntag zu Ende. Wir hatten
heute wieder ganz wunderbares Wetter. Nun hat ja heute der Führer
gesprochen u. er hat wieder die Urlaubssperre aufgehoben. Nun
werden auch von uns die Ersten wieder auf Urlaub fahren u. dann bin
auch ich mal wieder an der Reihe. Ich denke dass ich etwa Ende
Juni, oder anfangs Juli wieder bei Dir sein darf. ...
225.
Osten, 8.Januar 1944
Mein liebstes Goldschätzchen!
Jetzt ist es gleich wieder 10 Uhr und schon ist die erste Woche
dieses Jahres vorüber. Wie viele Tage müssen da wohl noch
vergehen, bis ich zu Dir kommen darf? Ich werde mal von heute ab 50
Tage weiterzählen. Dann hätten wir der 27. Februar. Ich glaube
sicher, dass ich dann weiss, ob ich einen Heiratsurlaub bekomme.
Wir wollen mal das Beste hoffen.
Mein über alles geliebtes süsses herziges Goldschätzchen, wie geht
es wohl auch Dir. Hoffentlich immer noch recht gut. Mir selbst geht
es ja auch immer sehr gut. Wir hatten heute sehr schönes Wetter und
auch ein freudiges Erlebnis. Kam doch heute morgen so ein freches
russisches Flugzeug, kaum zu hören. Es hatte die Motoren gedrosselt
und flog in ganz geringer Höhe über uns hinweg, wie wir glaubten.
Es war aber nicht ganz so. Wir hatten es mit einem Fernaufklärer zu
tun und der hatte Motorschaden. Wir liegen nun hier zwischen zwei
Flüssen u. er hatte sich dabei getäuscht. Er nahm an, er sei schon
zu Hause u. wollte zur Notlandung ansetzen. Dadurch gerieten aber
alle 3 Insassen in Gefangenschaft. Das Flugzeug zerschellte etwa
300 Meter von hier. Die Besatzung hatte nichts abbekommen. Wir
bekamen aber wertvolles Material in die Hände. Na ja, so haben wir
jeden Tag irgend ein Erlebnis. Ich war natürlich gleich dort und
habe mir alles genau angesehen. Am liebsten hätte ich sofort das
Funkgerät ausgebaut. Das war noch heil, aber leider ist das
verboten, da diese Sachen alle genau aufgenommen werden. Für die
Führung sind auch kleine Veränderungen an solchen Apparaten
wichtig.
Meine herzallerliebste H..., heute Abend hatte ich noch ein so
schönes Erlebnis, wenn ich es so nennen will. Ich habe vorher
meine Streife gemacht. Als ich rausging, war vom Mond kaum etwas zu
sehen, so stark war es bewölkt. Aber dann verzogen sich alle Wolken
und es kam so ein wunderschöner klarer Sternenhimmel hervor. Als
ich dann nach "Hause" ging, hab ich mich noch ein Weilchen vor
meinen Bunker gesetzt und hab diesen herrlichen Himmel angesehen.
Dabei sind alle meine Gedanken bei Dir gewesen. Ach ja, wir haben
ja hier über uns die selben Sterne, wie auch zu Hause. Wie ich nun
so dasass, habe ich mit offenen Augen von Dir geträumt und ich sah
zwischen all den vielen Sternen Dein geliebtes Gesichtchen. Ich
musste mich von diesem so schönen und beglückenden Bild mit Gewalt
los reissen, sonst würde ich wohl jetzt noch draussen sitzen.
...
298. (GESCHRIEBEN MIT ROTEM GRÜNEM UND BLAUEM FARBSTIFT)
Lettland, Samstag den 22. Juli 1944
15:30 Uhr
Meine herzallerliebste Frau!
Nun ist wieder bald ein Tag zu Ende und ich will Dir noch Deinen so
lieben und auch so sorgenvollen Brief vom 6.7. beantworten. Ja mein
geliebtes Goldschätzchen, was hattest Du da nur für eine schwere
Nacht? Das muss ja schlimm gewesen sein. Aber mein goldiger
Liebling, sei beruhigt, es war da gar nichts besonderes. Ich habe
noch in meinem Tagebuch nachgesehen, aber da stand: "alles ruhig!"
Und so geht es mir auch heute noch sehr gut. Bin immer gesund und
munter. Mein Fuss hat sich auch schon wieder sehr gut gemacht. Ich
kann wieder ganz gut gehen. Da mein Battallion nun in Ruhe liegt,
bin ich heute wieder zu meiner Kompanie gegangen. Wir liegen in
einem sehr schönen Barackenlager im Walde, etwa 20 Km hinter der
Front. Hier lässt es sich ganz gut leben. Heute Vormittag habe ich
mir einen prima Schweinebraten gemacht.
Mein liebstes Goldschätzchen, Du wirst ja staunen über diesen
komischen und bunten Brief. Ich habe aber gerade nur dieses Blei
zur Hand. Na ja, aber rot ist ja die Liebe u. grün ist die
Hoffnung. Nun muss nur noch die Treue kommen. Das wäre dann also
blau. Na mal sehen, wie weit diese Miene reicht, dann setzte ich
noch eine blaue ein. Da hast Du dann wenigstens eine Abwechslung,
oder Du denkst, der hat ja wohl einen Stich. Das könnte ja auch
sein, bei dieser Hitze. Ich fühle mich aber immerhin auch geistig
ganz munter.
Mein über alles geliebtes süsses Goldschätzchen, nun will ich
nochmals zu Deinem Traum zurückkommen. Das kann ja auch eine
Vorahnung gewesen sein, denn einige Tage später fing es ja an, dass
wir dem Russen ein Schnippchen geschlagen haben und ihm einfach
davon liefen. Da kam es allerdings auch ein paar mal so weit, dass
er hinter uns her war und uns fangen wollte, was ihm aber nie
gelungen ist. Ja mein herzallerliebstes goldiges Frauchen, ich
habe aber auch nicht vergessen, unseren lieben Gott in meinen
Gebeten um Schutz zu bitten und ich habe dabei auch immer an Dich
gedacht. Es hat sich ja nun gezeigt, dass es bisher nicht umsonst
war. Ich hatte bestimmt öfters grosses Glück, dass ich immer wieder
mit heilen Knochen davon kam und das doch nur mit Gottes Hilfe. Ach
mein über alles geliebtes Fraule ich bin ja so froh und glücklich,
dass ich durch Dich den Weg zu so einem guten u. wahrhaft glücklich
und selig machenden Glauben gefunden habe. Bis jetzt habe ich davon
doch nur gutes gehabt.
Und nun mein über alles geliebtes Goldschätzchen, sei für heute
viel tausendmal von ganzem Herzen gegrüsst u. innigst geküsst
von Deinem treuen
Lothar
Viele Grüsse an die Eltern!
Leseprobe Tagebücher
Erstes Tagebuch
(Das Erste der beiden
Tagebücher beschreibt stichwortartig die letzten Monate des
Kriegsjahres 1941)
Fahrt Luneville-Tübingen
Luneville, Sassburg, Strassburg, Raststatt, Karlsruhe, Pforzheim,
Bietigheim, Kornwestheim, U.Türkheim, Esslingen, Plochingen, Tübingen
Fahrt von Tübingen nach Russland.
Tübingen | Plochingen | Cannstadt | Baknang | Gaildorf | Hall |
Crailsheim | Nürnberg | Hof | Kottbus* | Guben | Ansbach | Chemnitz
*Durch die Niederlausitz
Guben | Frankfurt Oder
Küstrin-Neustadt.
Landsberg | Kreuz | Elbing | Heiligenbeil | Königsberg | Lipau? |
Weklau | Schneidemühl
Tilsit | durch Litauen Mikau
durch Lettland über Riga
Kurz nach Riga umgeladen auf Russ. Zug
ca 80-100 Km durch Estland nach Pleskow in Russland
1.9.41
Durch Russland von Pleskow über Gelow noch 40 Km links vorbei am Peipas
See
Bahnhof übernachtet morgens
Slemzing
ausgeladen. Marsch nach Narva am finnischen Meerbusen.
In Narva in Russischer Burg an der Narva(fluss) übernachtet.
Freitag, 5.9.41
Kingisepp
Samstag, 6.9.41
Katlo
Sonntag, 7.6.41
Koporie
Montag
Globitso
Dienstag, 9.9.41
Heute komme ich zum Batl. Stab als Funker. Ich lerne meine neuen
Kameraden kennen. Sind lauter Pfundskerle. Wir haben ein gutes Quartier.
Mittwoch, 10.9.41
Wir haben Ruhe. Die Russen verhalten sich ruhig. Mittags bringen wir
unsere Waffen mal wieder in Ordnung. Habe Nachts in der Vermittlung
telefon Wache.
Donnerstag, 11.9.41
Immer noch ruhig. Wir bauen morgens eine Fernsprechleitung. Dann
waschen wir unsere Sachen. Nachts habe ich 1 1/2 Stunden Wache in dem
Ort wo wir liegen.
Freitag, 12.9.41
Morgens üben wir am Funkgerät u. schreiben Briefe. Gleich nach dem
Essen muss ich mit 2 Mann auf Störungssuche. Es laufen uns 8 Russen in
die Finger. Sie haben gleich die Waffen weggeworfen. Gegen Abend müssen
wir alle Leitungen abbauen. Wir beziehen neue Stellungen. Spät abends
kommen wir in dem neuen Batl. Gef. Stand an.
Sonnabend, 13.9.41
Morgens muss ich mit Gefr. Geller als Funktrupp zur 7. Komp. Wir müssen
3 Km durchlaufen, wo kein deutscher Soldat ist. Kommen gut durch. Unser
Batl. Chef Hauptmann von Schulz fällt einige Stunden später auf
derselben Strecke. Der Russe ist bei der Nacht beim Nachbarbatl.
durchgebrochen. Ich habe Nachts Wache am Zelt d. Komp. Chefs.
Sonntag 14.9.41
Nachts war fast nichts los. Es hatte geregnet. Wir machen vor unserem
Zelt ein Feuer. Da ging es auch schon los. Die Sonne kam heraus und es
wurde ein schöner Tag. Die Russen versuchten abermals zw. uns u. der
Nachbarkompanie durchzubrechen. Sie waren ganz dicht ran, wurden aber
in 1 1/2 Stdigen Gefecht zurückgeschlagen. Mittags kamen einschläge
schwerer Russischer Geschütze ganz dicht in unsere Nähe*. Kurz vor
Dunkelheit wurden wir
*Ein Geschwader Ju 88 belegte sie eine starke halbe Stunde mit Bomben
mittl. Kal.
durch ein Pionier Batl. abgelöst. Wir kommen ca. 4 Km weg an die
Hauptstrasse als Verstärkung. Dort versuchte der Russe mit stärkeren
Kräften durchzustossen.
Montag, 15.9.41
Wir bauen uns über Nacht eine Verteidigungsstellung. Jeder muss ein
sog. Panzerdeckungsloch bauen gegen Ari Beschuss. Ausser einigen
kleineren Schiessereien geschieht nicht viel. Es scheint wie wenn sich
der Russe beruhigt hätte. Doch gegen 7 (19) Uhr abends kamen sie.
Zuerst belegten sie uns mit Arifeuer, was aber viel zu weit hinter uns
lag. Es wurde von unserer Ari heftig erwidert. Nach etwa einer halben
Stunde schwieg die russ. Ari. Auch unsere hörte allmählich wieder auf.
Da ging rechts von unserem Gef. Stand in 100-150 m Entfernung wieder
eine Knallerei los. Sie setzte sich gleich die ganze Front entlang
fort. Der Russe versuchte mit stärkeren Kräften durchzustossen. Unsere
2 MGs. ballerten los, dazwischen Granatwerfer u. M.Ps., dass es nur so
krachte. Nach etwa 20 Minuten waren alle wieder verschwunden. Unsere
Ari schoss noch etwa 1 Std stärkeres Störungsfeuer. In der Nacht gab es
noch ne kleine Schiesserei. Es wurde ein russ. Spähtr. gef. genommen.
Sonst verlief die Nacht ganz ruhig.
Dienstag, 16.9.41
Der Morgen verläuft ruhig. Es regnete die ganze Nacht u. wir pennen bis
10 Uhr. Es ist ein furchtbarer Schlamm u. Dreck hier. Der Tag verläuft
sehr ruhig. Morgens um 4 Uhr ist die Fernsprechleitung durch eine
Handgranate gesprengt. Wir nehmen mit Funk die Verbindung auf.
Mittwoch, 17.9.41
Morgens wird abgebaut. Wir gehen nach Woronino z. Batl. zurück. Mittag
werden wir auf LKWs verladen. Fahrt 27 Km bis Gostolizi. Dort
übernachtet. Auf der Fahrt Aribeschuss. Wir kommen gut durch. Kaum sind
wir ausgeladen, als die Russ. Ari den Ortseingang u. die Strasse etwa
50-100 m von uns weg unter Feuer nimmt. Geht alles gut vorbei. In
unserer Nähe ist schwere Ari aufgefahren, welche die Russen die ganze
Nacht beschiesst.
Donnerstag, 18.9.41
Wir gehen weiter bis Novaija u. richten uns dort ein. Der Tag verläuft
sehr ruhig. Gegen Abend setzt wieder Störungsfeuer unserer Ari ein.
Nachts ist erhöhte Alarmbereitschaft, da nach Gefangenen Aussagen mit
einem Angriff der Russen zu rechnen ist. Aber es geschieht nichts. Die
Nacht bleibt ebenfalls ruhig.
Freitag, 19.9.41
Wir haben vormittags etwas Ruhe*.
*Einige Geschwader Bomber belegen den Russen fast 2 Stunden lang mit
Bomben.
Nachmittags werden unsere Leitungen wieder abgebaut, u. gegen Abend
rücken wir ab. Wir marschieren etwa 5 Km bis Porozk. Hier ist der Russe
mit starken Kräften zum Angriff übergegangen. Wurde jedoch unter
Zurücklassung von ca 800 Toten zurückgeschlagen. Der Russe sitzt um
das ganze Dorf. Er kann alles einsehen und schiesst dauernd mit l. Ari
und mit Granatwerfern ins Dorf. Wir müssen uns sehr vorsichtig bewegen.
Bei unserer Ankunft schiessen einige Deutsche Batterien Sperrfeuer. Die
Nacht verläuft ziemlich ruhig. Ein paar Mal Störungsfeuer.
Samstag, 20.9.41
Wir sind in einem halb zerschossenen Hause. Schon am frühen Morgen
schiesst unsere Ari wieder. Aber auch der Russe setzt ein paar Schuss
ins Dorf. Sonst herrscht Ruhe. Mittags Arifeuer u. Mg Feuer. Der
Nachmittag verläuft ebenfalls ruhig. Wir legen uns zeitig zur Ruhe. Es
ist wieder erhöhte Alarmbereitschaft. Wir schlafen in vollständiger
Ausrüstung, umgeschnallt, Gewehr und Stahlhelm griffbereit. Von 2-4
Uhr habe ich Wache. Als ich geweckt werde, liegt ein tolles Ari Feuer
auf der Stellung d. 271. Regt. dem wir als einziges Batl. unseres Regt.
als Verstärkung unterstellt sind. Die Russen schiessen bis 3/4 9 Uhr.
Dann beginnt ein Angriff b. 1.Batl. 271, der nach 1/2 stündigen Kampf
im Schein unzähliger Leuchtkugeln zurückgeschlagen wird. Die Russen
müssen uns im Schein der Leuchtkugeln gesehen haben,denn ganz dicht
an uns pfeifen 5 Geschosse vorbei. Wir gehen in Deckung u. es hört
auf zu schiessen.
Sonntag, 21.9.41
Morgens schiesst unsere Ari Sperrfeuer. Dann hört man auf unserer
rechten Flanke stärkeren Gefechtlärm. Die Russen setzen uns ein paar
Granaten dicht vor unser Haus. Es passiert aber nichts. Unsere
Luftwaffe belegt den ganzen Mittag in ununterbrochenem Einsatz
Oranienb. u. Peterhof mit Bomben. Sie liegen etwa 15-20 Km von uns in
nördlicher- nordwestlicher Richtung. Es soll in den nächsten Tagen ein
Grossangriff des ganzen 38. A.K. sein um diesen Kessel hier voll zu
vernichten. Wir reinigen u. überprüfen unsere Geräte und Waffen. Von
16-17 Uhr liegt Ari u. Granatwerfer Feuer im Dorf. Die ganze Nacht
durch bombardieren unsere Flieger die russ. Stellungen.
Montag, 22.9.41
Der morgen vergeht noch ruhig. Unsere Ari schiesst Störungsfeuer. Gegen
12 geht ein Zug unseres Batl. und ein Batl. der Reg. 271 zum Angriff
über. Wir stellen die Verbindung her von unseren Zug zum Battl. Bis 13
Uhr liegt wieder Ari Feuer ganz dicht bei uns. Die Russen haben
grössere Minenfelder gelegt u. sich stark verteidigt. Abends gegen 18
Uhr werden sie wieder zurückgezogen. Nachts herrscht ziemliche Ruhe.
Dienstag, 23.9.41
Schon ab 8 Uhr morgens Aribeschuss. Gegen 1/2 9 Uhr haut eine
Granate direkt in unser Haus. Zum Glück hält die Decke den Hauptschlag
aus. Unsere Fenster fliegen raus, ein Paar Splitter durchhauen unsere
Decke und fliegen durchs Zimmer. Wir sind alle drin. Zum Glück passiert
keinem etwas. Vor lauter Staub und Qualm sieht man zuerst gar nichts.
Dann Stahlhelm auf und raus in die Deckungsgräben. Sonst geschieht
nichts mehr.
Mittwoch, 24.9.41
Der Tag verläuft sehr ruhig. Ausser ein wenig Ari Beschuss am Mittag
herrscht Ruhe. Unsere Flieger sind immer noch am Werk. Abends bekommen
wir Ersatz. Es sind auch zwei Funker dabei. Die Nacht verläuft auch
ruhig. Durch Beschuss 1 Toter (verbessert)Einige.
Donnerstag, 25.9.41
Wir haben neue Ari bekommen die uns um 6 Uhr ziemlich unsanft aus dem
Schlafe reißt. Es ist ein ganz netter Feuerzauber der auf die Russen
hereinbricht. Morgens reinigen wir unsere Geräte u. Gewehre. Wir üben
uns etwas im Funken. Nach dem Essen ging es auf einen Grossen
Spähtrupp. Es ist mein erster. Wir gehen über 5 Km vor die vordersten
deutschen Stellungen. Trotz einer Stärke von 45 Mann blieben wir ohne
Feindberührung d.h. es kam zu keinem Gefecht, aber beobachtet haben
wir die Russen. Gegen 18 Uhr kehren wir erfolgreich und müde zurück.
Wir legen uns bald schlafen. Diese Nacht haben wir keine Wache.
Freitag, 26.9.41
Morgens um 7 Uhr geht es wieder los. Ein fu. tr. geht mit einem
Spähtrupp. Wir bleiben beim Batl. Um 9 Uhr sind wir gerade beim abbauen
unserer Geräte, da braust ein Geschwader russ. Bomber über uns weg u.
belegt uns ganz nett mit seinen Eiern. Sonst ist bei uns alles ruhig.
Bei unserem Nachbarbatl. versucht der Russe dauernd durchzustossen. Es
gelingt ihm nicht täglich 150-250 Gefangene.
Samstag, 27.9.41
Der Tag verläuft ziemlich ruhig. Zweimal versucht der Russe bei uns
einen Angriff, der sehr blutig abgewiesen wird. Ein Kradmelder vom
Rgt. der in der Nacht zu unserem Batl. sollte kommt erst gegen Mittag
an. Er hat sich verfahren u. geriet den Russen in die Finger. Er wird
den Kommissaren vorgeführt welche ihn verhören. Zu gleicher Zeit kommt
ein deutscher Luftangriff. Die Kommissare bringen sich in Sicherheit u.
vergessen den Gef. Dieser geht nun türmen, setzt sich auf sein Krad u.
kehrt unversehrt zu uns zurück.
Sonntag, 28.9.41
Schon um 7 Uhr früh schiesst der Russe zu uns herein. So geht es den
ganzen Tag weiter. Sonst geschieht nichts.
Montag, 29.9.41
Ich muss mit zum Rgt. Sonst ist es hier ziemlich ruhig.
Dienstag, 30.9.41
Morgens werden wir gegen Cholera geimpft. Wir bekommen Verstärkung
durch eine Panzerkomp. des Führer Begleitbattl. Sonst ausser Ari Feuer
u. einigen kleinen Gefechten ist alles ruhig.
Mittwoch, 1.10.41
Ohne bes. Ereignisse
Donnerstag, 2.10.41
Heute schiesst die Russ. Ari. mit verstärkter Kraft zu uns herein. Wir
haben dadurch einige Verwundete. Heute erreicht uns der Aufruf d.
Führers.
Freitag, 3.10.41
Wir machen eine Anzahl Gef. welche die nächsten Tage bei uns arbeiten.
Sonnabend, 4.10.41
Wir bauen uns einen massiven Unterstand da wir dauernd Ari beschuss
haben. Die Russen schiessen mit Brandgeschossen.
Sonntag, 5.10.41
Morgens üben wir Handgranaten Zielwurf mit scharfen (unleserlich evt.:
Eierhandgr.) Dann wird geflickt und gewaschen. Sonst bleibt alles
ruhig.
Dienstag, 7.10.41
Gestern hatten wir ausser Ari Beschuss Ruhe. Heute ging es auch. In der
Nacht heftiges Arifeuer.
Mittwoch, 8.10.41
Morgens ziemlich ruhig. Mittags gehe ich mit einem Spähtrupp nach
vorne. Abends stärkeres Arifeuer. Eigene Ari schiesst die
ganze Nacht Sperrfeuer.
Donnerstag, 9.10.41
Morgens werden wir abgelöst u. kommen an einen anderen Abschnitt. Mit
zwei Kameraden muss ich voraus. Wir haben sehr starkes und auch genaues
Arifeuer durch das wir hindurch müssen. Wir gelangen auch gut ohne
Zwischenfall hindurch. Sonst keine besonderen Ereignisse. Heute fällt
der erste Schnee.
Freitag, 10.10.41
Der Tag verläuft sehr ruhig.
Samstag, 11.10.41
Heute früh legt der Russe ein sehr starkes Arifeuer zu uns herein. Wir
haben jedoch keine Verluste. Es heisst, dass wir in den nächsten Tagen
einen grossen Angriff machen um den Kessel aufzuräumen. Der Tag
vergeht verhältnissmässig ruhig. Der Russe versucht in unserem
früheren Abschnitt immer stärker, aus der Umklammerung zu kommen.
Sonntag, 12.10.41
Der Tag verläuft ziemlich ruhig. In der Nacht versuchten die Russen
einen erneuten durchbruch, der misslang.
Montag, 13.10.41
Eigentlich sollten wir schon angreifen um den Kessel hier aufzurollen.
Aber leider hat es der Russe erfahren. Wir liegen hier den Resten der
besten Elitetruppen gegenüber die um Leningrad geschlagen wurden. Es
befinden sich hier noch ganze Regimenter von G.P.U (unleserlich evt.:
Einheiten ), die sehr gut kämpfen. Viele können deutsch. Sie haben
unsere Gespräche abgehört. Zum Glück wurde es noch rechtzeitig
entdeckt. Wir bauen Scheinstellungen um die Russen zu täuschen, die wir
jedoch des Nachts besetzen. Der Tag verläuft sonst ganz ruhig.
Dienstag, 14.10.41
Der Tag verläuft sehr ruhig. Nur unsere Ari ist rege tätig.
Mittwoch, 15.10.41
Auch heute geschieht nichts besonderes. Wir bauen nur einen Teil der
Scheinstellung voll aus.
Donnerstag, 16.10.41
Wir greifen an, haben jedoch nicht mit solch starken Bunkern gerechnet.
Der Angr. Stockt.
Samstag 18.10.
Unsere Ari schiesst so allmählich die ganze Stellung kapputt. Wir
greifen vorläufig nicht mehr an, um Blut zu sparen.
Sonntag, 19.10.41
Unsere Ari legt wieder Sperrfeuer auf die russ. Stellungen. Der Russe
schiesst auch. Wir haben in unserer Staffel einen Toten. Er war auf
Störungssuche und bekam im liegen einen Splitter in die linke Schulter
der sehr wahrscheinlich bis zum Herz durchging. Wir begraben ihn noch
am Abend.
Montag, 20.10.41
Der Russe schiesst eine Stunde Störungsfeuer auf unsere Stellungen.
Außer einem Verwundeten haben wir keine Verluste. Den ganzen Tag rege
Aritätigkeit.
Dienstag, 21.10.41
Wir müssen eine Leitung umbauen. Dabei geraten wir in stärkeres
Arifeuer. Kommen gut u. ohne Verluste durch.
Montag 27.10.41
Wir sind inzwischen nach Lkrekino vorgestossen u. darüber hinaus. Jetzt
sollen wir hier liegen biss zur Bereitstellung u. zum Angriff.
Montag, 3.11.41
Auf Befehl des Führers wird unser Angriff abgeblasen. Wir sollen
anscheinend die Russen aushungern oder wegen den vielen Minen auf
starken Schneefall warten. Man munkelt hier von Urlaub ab 20.11.???
Samstag, 8.11.41
Ausser beiderseitiger Ari u. Spähtrupptätigkeit Ruhe. 7.11. grössere
Angriffe der Russen Stalintag.
9.11.41
Heute haben wir Feiertag. es ist alles ruhig
18.11.41
Wir kommen nach Gostilizi in Ruhe
Ende des ersten Buches
Bitte beachten Sie die Urheberrechte des Autors (siehe
auch
Seiteninfo).
Leserstimmen
"Gestern Abend habe ich Ihr Dokument zu Herrn Lothar Gruber gelesen
und
war davon tief berührt"
"...mit größten Interesse habe ich die Feldpostbriefe auszugsweise
gelesen.
Beiträge wie diese (auch die Fotografien) sind ein sehr wertvoller
Beitrag zur Zeitgeschichte. Mich berühren solche Berichte
sehr,..."
"...Would it be possible to publish in Polish regional historical
magazine
fragments of Gruber's book that are connected with Deba
camp??..."
"...Well done Peter!..."
Schreiben Sie dem Autor doch auch Ihre Meinung!
Klicken Sie dazu in der unteren Leiste auf das Briefchen mit der
Weltkugel. Sollte sich nichts tun, ist Ihr Mailprogramm nicht
konfiguriert, klicken Sie in diesem Fall rechts auf das Symbol,
wählen Sie "Emailadresse kopieren" und fügen Sie die Adresse in das
Adressfeld des Programms oder der Webseite, mit der Sie
normalerweise E-Mails schreiben.
Oder klicken Sie auf das Symbol mit dem Stift und dem Buch und
schreiben einen kleinen Beitrag in das Gästebuch.
Der Autor freut sich auf Ihren Eintrag!