Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Dritter Jahrgang

Feldpost August 1944


300.
Lettland, Mittwoch 2. August 1944
Meine liebste H...!
Heute komme ich nun doch endlich mal wieder dazu, Dir ein Brieflein zu schreiben. Lange hat es gedauert, aber es war da einfach nichts zu machen. Wir waren ja fast dauernd unterwegs. Na ja, das ist ja alles nicht so schlimm, die Hauptsache ist, es geht mir immer noch gut. Ich bin immer noch gesund und mun­ter und es fehlt mir hier halt nur mein liebes süsses gutes Frauchen.
Meine über alles geliebte süsse gute H..., ich danke Dir von ganzem Herzen für Deinen lieben Brief vom 13.7., den ich vor ein paar Tagen mit grosser Freude er­hielt. Ja, nun wirst Du ja schon sicher sehr sehr lange keine Post von mir erhalten haben und ich kann mir gut vorstellen, dass Du Dir da wieder viel Sorgen um mich gemacht hast. Ach mein herzallerliebstes Goldschätzchen, nun müsste ich halt endlich mal wieder bei Dir sein. Ich habe ja so eine riesengrosse Sehnsucht nach Dir. Ach mein süsser goldiger Liebling, wie geht es denn Dir? Nun bist Du schon 14 Tage in Deiner neuen Stelle. Wie gefällt es Dir dort, gibt es da viel Arbeit? Was ma­chen vor allem auch die Flieger, es kam in letzter Zeit so oft von Luftangriffen auf Süd.- u. Südwestdeutschland. Ach u. dann hast Du mir da auch noch etwas von ei­nem Bombenwurf ganz in der Nähe geschrieben. Na ja, die sollten ja vielleicht auch gar nicht dort fallen. Ein Glück nur, dass nichts dabei passiert ist.
Mein liebstes Goldschätzchen, das ist ja nun gar nicht schön, dass Dir das Es­sen immer noch nicht schmeckt. Aber hoffentlich wird das nun wieder anders. Das geht doch nicht, Du wirst ja sonst zu mager u. zu schwach.
Mein herzallerliebstes Frauchen, für heute wünsche ich Dir nun von ganzem Her­zen alles Gute u. recht viel Glück.
Viele Tausend herzlichste Grüsse u. innigste Küsse sendet Dir in ewig treuer Liebe
Dein glücklicher Gatte


301.
Riga, Freitag den 4. August 1944
Meine über alles geliebte süsse Gattin!
Nun habe ich mal wieder so viel Zeit, dass ich Dir heute wieder ein grösseres Brieflein schreiben kann. Ja mein herzallerliebstes Goldschätzchen, Ich habe nun für einige Tage sehr viel Zeit. Du wirst bestimmt staunen, aber es ist tatsächlich so. Nun tu mir aber bitte einen Gefallen u. erschrecke nicht und mache Dir keine Sor­gen, denn dazu ist ja gar kein Grund vorhanden. Im Gegenteil, Du kannst Dich freuen, denn nun bin ich mal für eine Zeit lang völlig in Sicherheit.
Mein liebstes Fraule, ich bin seit gestern hier in Riga im Deutschen Lazarett. Nun willst Du auch wissen warum? Ja, das ist also gar nicht so schlimm. Verwundet bin ich nicht u. sonst ist mir auch nichts passiert. Was ich habe, darüber sind sich die Ärzte noch nicht ganz einig. Ich habe seit 6 Tagen Fieber. Nicht besonders hoch, dafür aber recht unregelmässig. Das höchste war 39,6. Heute früh hatte ich 37,2 u. heute Abend 38,2. Dazu kommt nun noch beim Atmen ein Stechen bze Drücken auf der Brust. Laut Durchleuchtung ist meine Lunge gesund. Sie ist nur etwas verschleimt. Die Bronchen sollen anscheinend entzündet sein. Also eine Sa­che die hier in wenigen Tagen wieder in Ordnung ist. Mein liebstes Goldschätz­chen, Du brauchst Dir also bestimmt keine Sorgen um mich machen. Der einzige Ort hier, wo es mir gut gehen kann. Besser kann es mir nur noch bei Dir gehen.
Mein liebstes süsses goldiges Fraule, da will ich Dir nun mal so den heutigen Tag ein wenig beschreiben. So etwa gegen 7 Uhr bin ich aufgewacht und das in ei­nem schönen weissen Bett u. in einem schönen grossen u. hellen Zimmer. Ich habe mich dann in aller Ruhe und mit schönem warmem Wasser gewaschen. Ach ja, da habe ich ja noch zuerst das Bett gemacht. Nun gab es Kaffee, mit 4 Schnitten Weissbrot mit Butter u. Marmelade. Anschliessend kam dann der Onkel Doktor zur Visite und nach dieser ging ich zur Untersuchung zu ihm ins Behandlungszimmer. Als ich zurückkam, gab es schon wieder zwei Schnitten Weissbrot mit Butter und dazu Fleischbrühe. Bis zum Mittagessen habe ich dann wieder geschlafen. Dann gab es Salzkartoffeln, Klopse u. Sauce, zum Nachtisch Griesbrei mit Saft. Nach dem Essen ging ich zur Durchleuchtung. Um 3 Uhr gab es Keckse mit Kakao und um 5 Uhr 2 Weissbrotschnitten mit Butter u. 2 mit Wurst. Dazu einen gemischten Salat mit Majonäse. Da war drin: Gurken, Eier, Wurst Kartoffel u. Bohnen. Es hat alles prima geschmeckt. Dabei wird man hier auch noch bedient. Wir haben hier lauter lettische Schwestern. Sie sind teilweise ganz hübsch, aber mein über alles geliebtes Goldschätzchen braucht keine Angst zu haben. Das einzige Gefühl das sie in mir nun noch verstärken, ist die grosse Sehnsucht nach Dir. Ja, jetzt solltest Du für diese Zeit halt hier bei mir sein. Ach das wäre ja herrlich. Ich würde dann aber erst dann wieder gesund, wenn wir es so weit gebracht hätten, dass wir beide zusammen nach Hause fahren könnten.
Mein liebstes Goldschätzchen, wie mag es wohl auch Dir gehen? Wenn ich doch nur mal bei Dir sein könnte. Die Zeit wird mir ja so unheimlich lange. Ach ja, die Hauptsache ist ja, dass wir uns recht bald gesund und munter wiedersehen dürfen. In dieser Hoffnung u. im festen Vertrauen auf Gott will ich für heute schliessen. Aus tiefstem Herzen grüsst Dich innigst und küsst Dich tausend Mal in ewiger Treue und Liebe
Dein Gatte
Schreibe mir bitte weiter an meine alte Nummer, denn ich bin ja doch bald wieder dort u. die Kompanie schickt sie mir her. Sie ist ja nur 40 Km von hier.


302.
Riga, Sonnabend, 5. August 1944
...
Mein liebes Goldschätzle, sonst gibt es hier nichts neues. Ach es ist hier einfach herrlich. Den ganzen Tag spielt das Radio. Draussen ist ein herrlicher Sonnen­schein. Alles so schön ruhig und friedlich hier. Wenn nicht die Verwundeten hier wären, dann würde man bestimmt nichts vom Kriege merken. Der Tag vergeht sehr angenehm. Man isst seine Pillen und schluckt seine Arznei und im übrigen ver­sucht man wieder gesund zu werden. Um 3 Uhr heute Mittag lasse ich mich Rönt­gen. Bin mal gespannt, was dabei herausschaut.
Mein lieber süsser guter Goldschatz, im übrigen ist es mir sehr langweilig hier. Ich könnte jetzt mein liebes Fraule so gut gebrauchen zur unterhaltung. Ach das wäre doch schön. Aber so kann ich mich halt nur auf dem so grossen Umweg über Papier und Feder mit Dir unterhalten. Das ist ja auch sehr schön, aber anders wäre es halt noch viel viel schöner. Wir hoffen aber, dass dieser Fall sowieso recht bald eintritt, denn es dauert nun nicht mehr lange, dann sind wir wieder so weit, dass unsere Feinde nicht mehr wissen, wohin sie laufen sollen. Wenn es auch zur Zeit nicht danach aussieht, so wirst Du doch bald sehen, dass ich damit recht habe. ...


303.
Stackeln, 8. August 1944
... Ich bin inzwischen in ein anderes Lazarett verlegt worden. Bis jetzt geht es mir noch nicht besser. Ich habe immer noch zwischen 38 und 39 Fieber. Na ja, das ver­geht auch wieder. ...


305.
Stackeln, Samstag den 12. August 1944
Mein über alles geliebtes Goldschätzle!
Heute ist nun wieder einmal Samstag. Ach mein liebes gutes süsses goldiges Fraule, wenn ich daran denke, wie schön es vor 3 Monaten war! Da hatten wir noch den grössten Teil unseres so schönen und glücklichen Urlaubs vor uns. Heute ist nun der 66. Tag, seit ich von meiner liebsten und herzensguten Frau Abschied neh­men müsste. Ach wie schrecklich lange wurde mir doch schon diese Zeit und wir haben doch nun höchstens 1/4 bis 1/5 der Zeit des Wartens hinter uns. Unter den gegebenen Umständen wird es ja vielleicht auch länger, oder nicht so lange dau­ern. Das kann man bis jetzt noch nicht sagen. Der Krieg kann ja nun ein sehr schnelles Ende finden, es laufen ja nun auf allen Gebieten die stärksten und totals­ten Einsätze an. Na, unsere Feinde werden ja noch sehen, was ihnen alles blüht. Die Hauptsache ist ja, dass wir beide alles gut überstehen und am Ende ein recht frohes, glückliches und schönes Wiedersehen feiern können. Ich hoffe ja von gan­zem Herzen, dass uns das auch mit Gottes Hilfe gewährt wird.
Meine über alles geliebte Gattin, wie geht es denn auch Dir? Hoffentlich bist Du immer gesund und munter. Mir geht es nun auch wieder besser und ich denke, dass ich in drei bis vier Tagen wieder zu meiner Kompanie zurückgehe.
Für heute mein liebstes Goldschätzchen, sei viel tausend Mal von ganzem Her­zen gegrüsst und innigst geküsst,
von Deinem ewig treuen Gatten.


308.
Stackeln, Donnerstag den 17. August 1944
Meine über alles geliebte Gattin!
Soeben komme ich vom Kino zurück und nun bin ich gerade so in der richti­gen Stimmung, um Dir ein kleines Brieflein zu schreiben. Dazu ist Dein treuer Füll­halter heute mal gründlich gereinigt und neu gefüllt worden. Also liegt mir nichts mehr im Wege und ich kann Dich mal wieder ein wenig "langweilen"?
Also mein goldiger süsser und bezaubernder Engel, der Film war ganz nett und hiess "Liebeskomödie". Na das war eine ulkige Komödie, die wie in fast allen Filmen mit zwei glücklichen und ausgesöhnten Paaren endete. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass diese Leute dabei bei weitem nicht so glücklich waren wie wir beide, als wir im letzten Urlaub beisammen waren. Bei mir stimmt es auf jeden Fall und ich glaube kaum, dass es bei Dir nicht auch so sein soll. Ach mein liebes süsses herzensgutes Fraule, ich bin ja schon so froh u. glücklich wenn ich in so ei­ner ruhigen Stunde mit meinen Gedanken so ganz bei Dir sein kann. Dann erlebe ich immer wieder aufs neue das wunderbare und grosse Glück unseres Urlaubes. Erst letzte Nacht hatte ich wieder einen herrlichen Traum. Da lief unsere Hochzeit nochmals vor meinen Augen ab und ich sah jede Einzelheit so genau, wie wenn es tatsächlich Wirklichkeit gewesen wäre.. Ach mein liebster süsser Goldschatz, ich habe ja so furchtbar grosse Sehnsucht nach Dir. wenn ich nur Deine lieben Bilder ansehe mit Deinem so süssen entzückenden Mund, Deinen wunderschönen treu­en Augen, dann möchte ich am liebsten die ganze Welt umarmen vor lauter Glück. Immer wieder kommt mir dabei die frohe Erkenntnis, dass ich doch die schönste, beste, liebste und treueste Frau der Welt bekommen habe. Mein herzallerliebstes Goldschätzchen, bitte bitte, dies soll wirklich und wahrhaftig keine Schmeichelei sein, sondern es ist der wahrste Ausdruck meiner Empfindungen und Gefühle. Ich hätte ganz bestimmt nie eine bessere Frau und Gefährtin fürs Leben u. nie eine bessere Mutter für meine Kinder finden können. Mit Gottes gütigster Hilfe bin ich durch Dich tatsächlich zum glücklichsten Mensch der Welt geworden. Dieses Glück werde ich aber auch für immer und ewig ganz fest halten und ich werde immer meine ganze Kraft dafür hergeben, dass es von fester, guter und langer Dauer sein wird. Wer hätte mir meinen Urlaub so verschönen können wie Du? Nirgends hätte ich diese Ruhe und Erholung und diesen so starken Kraftquell gefunden wie bei Dir. Tausend Dank sei Dir dafür und das feste Gelöbnis meiner ewigen Treue und Liebe. ....


309.
Stackeln, Sonntag den 20. August 1944
Meine über alles geliebte Frau!
Nun habe ich Dich wieder so lange warten lassen, obwohl ich immer noch im Lazarett bin. Das soll aber nicht heissen, dass es mir wieder schlechter ginge; nein, es geht mir sogar sehr gut. Ich bin immer noch fieberfrei und ich bin jetzt noch zur "Erholung" hier. Der Arzt sagte gestern zu mir: Na ja, nun gehts wieder besser, im­mer tüchtig essen, dann erholen sie sich schon wieder. Na, und diesen Tat werde ich auch getreulich erfüllen.
Nun aber, um meine Schreib-Faulheit zu entschuldigen, etwas anderes. Vor­gestern habe ich den ganzen Morgen geschlafen und dabei so schön von Dir ge­träumt. Am Mittag war ich erst ganz allein (in Gedanken hatte ich ja allerdings mein über alles geliebtes Frauchen bei mir) im Wald spazieren. Es war herrliches Wetter. Als ich dann zum Abendbrot um 6 Uhr heim kam, da wurde ich zum Schachspielen eingeladen. Über dem Spielen ist es so rasch 10 Uhr geworden und da war es zu spät zum schreiben, denn da ging das Licht aus. Gestern war ich ja nun schon morgens beim Schach Spiel und am Nachmittag wollte ich Dir ganz be­stimmt schreiben. Ich war gerade nach dem Essen bei einem kleinen Verdauungs-Spaziergang, wobei ich eine Zigarette rauchte. Im zimmer ist nämlich das Rauchen streng verboten. Ich laufe ahnungslos am anderen Haus vorbei, da fing plötzlich ein Geschrei an: He, Gruber, wo kommen Sie denn her? Da steht doch mein alter Chef am Fenster, weisst der Hauptmann Krausse, von dem wir den Brief bekamen. Wir haben uns beide natürlich mächtig gefreut über das unverhoffte Wiedersehen. Wir haben uns ja über 1 Jahr nicht mehr gesehen. Da wir uns ja nun schon immer sehr gut verstanden haben und er ein wirklich guter Kamerad ist, gab es natürlich eine anständige Wiedersehens Feier. Wir hatten uns ja so viel zu erzählen und dann hat mein alter Hauptmann noch eine Flasche guten Wehrmut Wein herbeige­zaubert. Dass es da nichts mehr aus dem Schreiben wurde, das kannst Du Dir ja denken. Aber es war ein sehr schöner Nachmittag und Abend. Wir waren bis 9 Uhr beisammen und dann ging es heim. Bis ich dann endlich mein Abendbrot geges­sen hatte, da war es natürlich schon so spät und die Lust war auch nicht mehr zum Schreiben. Ich hoffe aber, dass mir mein liebstes Goldschätzchen verzeiht und mir deshalb nicht böse ist. Mein liebstes Fraule, ich war ja auch in dieser Zeit mit mei­nen Gedanken bei Dir. Wir haben ja auch von Dir gesprochen. Mein Hauptmann wollte natürlich auch wissen wie unsere Hochzeit war. Er lässt dich recht herzlich grüssen und wünscht Dir alles Gute und immer recht viel Glück. Wir haben auch viel über die Heimat gesprochen. Er ist auch verheiratet und hat zwei Kinder. Ach liebste H..., solche Vorgesetzte sollte man immer haben.
Mein goldiges süsses Herzele, wie geht es denn auch Dir? Ach ich möchte nun endlich mal wieder zu meiner Einheit, schon allein wegen der Post. Es ist doch zu schrecklich, wenn man so lange keine Post mehr bekommt. Das schlimmste ist, wenn man genau weiss, dass Post da ist. Na ja, lange wird es ja nun nicht mehr dauern.
Und nun sei für heute viel tausend Mal von ganzem Herzen recht lieb gegrüsst u. innigst geküsst
von Deinem treuen
Lothar.


312.
Stackeln, Freitag den 25. August 1944
Mein herzallerliebstes goldiges Fraule!
Jetzt ist es ja bald so weit, dass ich von hier wieder abfahren kann. Um einen Tag hat es sich noch verschoben. Ich fahre erst morgen Abend. Nun bin ich ja mal gespannt, wo ich meine Einheit finde. Als ich von dort weg ging, waren sie noch in Mitau. Hoffentlich muss ich nicht so lange suchen, denn das ist weniger schön.
Mein über alles geliebtes Goldschätzle, mir geht es ja soweit ganz gut, nur fehlt mir halt mein liebes gutes Fraule so sehr. Gegen die Sehnsucht gibt es halt nur ein Mittel und das kann einem kein Arzt geben. Ja, nun müsste ich halt anstatt zur Truppe zu meiner herzallerliebsten Frau fahren dürfen. Ach was wäre das für eine riesige Freude! Könnte es auch noch etwas schöneres geben? Jetzt müsste es halt einen Knall geben und dann müsste der Krieg aus sein; oder aber ich müsste dann plötzlich zu hause neben Dir sitzen. Leider bleibt das ein Wunsch, der nie in Erfül­lung geht. So schnell kann ich doch nie bei Dir sein. Aber wenn es dann endlich wieder so weit ist, dann beginnt für uns wieder eine Zeit voller Freude und Glück.
Meine liebe süsse herzensgute H... und wie geht es auch Dir ? Ich war gestern so unruhig. Es wird Dir doch nichts passiert sein! Da war doch erst wieder ein An­griff auf Stgt. Ach hoffentlich ist Dir dabei nichts passiert. Ich bitte ja Gott immer darum, dass er Dich beschützen möge und dass er Dich immer gesund erhält.
Und so sei nun heute von einem sehnsüchtigen Herzen recht lieb gegrüsst u. innigst geküsst von Deinem
ewig treuen Gatten


313.
Riga, Montag den 28. August 1944
Meine herzensgute liebste H...!
Nun ist es also doch soweit, dass ich mal wieder auf der Fahrt bin. Leider geht sie aber nicht zu Dir, was ja viel schöner wäre. Gestern früh um 1/2 1 Uhr bin ich von Stackeln weggefahren u. gestern Abend um 6 Uhr kam ich hier an. Da musste ich mich bei der Frontleitstelle melden und mich erkundigen, wo meine Truppe liegt. Ich muss nun zuerst mal zur Division und das ist nur etwa 30 Km von hier. Da komme ich heute bestimmt noch hin. Ich werde Dir dann gleich wieder schreiben, wenn ich bei meiner Kompanie angekommen bin. Bis morgen werde ich wohl so weit sein.
Ja, nun sind die schönen Tage auch wieder zu Ende. Wie es scheint, sind wir aber an einer ruhigen Stelle zur Zeit. Na ja, man hat sich ja schnell wieder einge­lebt. Liebling, unter solchen Umständen gehe ich gerne wieder ins Lazarett. Da lässt es sich immer aushalten. Es waren gerade 3 1/2 Wochen, die ich da war. Viel schöner wäre es ja gewesen, wenn ich diese Zeit bei Dir hätte verbringen können. Du hättest mich bestimmt noch schneller gesund gekriegt. Das wäre ein sehr schö­ner kleiner Urlaub geworden. So, nun will ich aber machen, dass ich zu meiner Einheit komme. Ich kann es ja kaum mehr erwarten, bis ich endlich meine Post er­halte. Vor allem Deine lieben Briefe. Es werden ja sicher eine ganze Menge sein.
Und nun mein herzallerliebstes Goldschätzchen, sei für heute von ganzem Herzen viel tausend Mal recht lieb gegrüsst und innigst geküsst
von Deinem
Dich ewig treu liebenden
Gatten


314.
Lettland, 30. August 1944
Mein herzallerliebstes Goldschätzle!
Heute bin ich nun wieder bei meiner Kompanie. Bis heute Abend bin ich noch beim Tross bei der Küche; dann geht es nach vorne. Soweit geht es mir immer ganz gut und dies hoffe ich auch vor allem von Dir. wenn nur mein über alles geliebtes süsses Frauchen immer gesund und munter ist, so bin ich ja schon zufrieden.
Mein liebes süsses herzensgutes Fraule, leider war es mit der Post hier nichts. Ich habe gerade einen Brief erhalten vom 8.8., für den ich Dir von ganzem Herzen Danke. Ach es ist doch wenigstens einmal ein Lebenszeichen von Dir. Ich habe mich ja so sehr darüber gefreut. Leider habe ich jetzt gerade nicht viel Zeit u. kann Dir daher auch nicht so ausführlich schreiben.
Mein liebstes Goldschätzchen, nun hast Du bald 14 Tage keine Post von mir erhalten. Das tut mir ja sehr leid, dass Du so lange warten musst, aber leider hatte ich in dieser Zeit keine Zeit zum schreiben. Mein allerliebstes Goldschätzchen, da ich so lange im Lazarett war, haben sie nun alle Post dorthin geschickt. Sie wird ja nun wieder an Dich zurück gehen. Das ist ja sehr schade. Da muss ich ja sehr lange warten, bis diese Briefe dann einmal hier ankommen.
Mein liebstes Fraule, wie sieht es denn auch sonst in Stuttgart aus, haben sie viel zusammen geworfen? Ach hoffentlich hält unser Herrgott immer seine Hand schützend über Dich. Ich vertraue ja fest auf ihn.
Und nun mein innigst geliebtes süsses Goldschätzle, sei für heute viel tausend Mal von ganzem Herzen recht lieb gegrüsst u. geküsst
von Deinem treuen Lothar.


315.
Lettland, den 31. August 1944
Mein herzallerliebstes gutes Fraule!
Seit gestern Abend bin ich nun in der Stellung. Der Russe hat sich sehr gefreut, dass ich wieder da bin und hat mich mit einigen Schüssen begrüsst. So schlimm war es aber nicht. Er ist im allgemeinen sehr ruhig, nur halt so das übliche Stö­rungsfeuer. Nun ist es natürlich nicht mehr so bequem wie im Lazarett, aber man hat sich ja schnell wieder eingelebt. Bis jetzt geht es mir immer noch sehr gut. Die einzige Klage ist halt die grosse Entfernung, die uns trennt und das furchtbar lange Warten. Mein herzensgutes liebes gutes Goldschätzchen, meine Sehnsucht nach Dir ist ja so gross. Immer sind meine Gedanken bei Dir und sie suchen Dich auf. Ja die Gedanken haben es so viel besser. Für die gibt es kein Hindernis und wenn die Entfernung auch noch so gross ist, so finden sie doch immer nach Hause, wo das liebste ist. Ach wie gerne würde ich aber bei Dir sein und würde dann mit meinen Gedanken ein wenig an der Front sein. Leider ist das aber nicht so einfach. Man muss sich da halt mit den vielen Millionen trösten, denen es ja genau so geht. Es wird doch kaum einen Soldaten geben, der nicht solche oder ähnliche Gefühle hat. Etwas zieht einen jeden in die Heimat. Aber mein über alles geliebtes süsses gutes Fraule, es kommt auch wieder die Zeit, wo wir voller Glück beisammen sein dürfen. Ich glaube ja fest daran, dass uns der liebe Gott gnädig ist und uns das Glück eines recht langen glücklichen zusammenlebens schenkt. Und lange dauert das auch nicht mehr. Der Krieg nimmt bestimmt in kurzer Zeit eine überraschende Wendung u. dann geht es schnell dem Sieg u. Frieden zu.
Mein über alles geliebtes süsses Goldschätzchen, in der Hoffnung, dass Dich mein Brief gesund und munter erreicht, will ich für heute schliessen. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Gute, volle Gesundheit und reichen Gottessegen.
Mit den allerherzlichsten Grüssen und innigsten Küssen verbleibe ich in Treue u. Liebe
ewig Dein
Lothar
Herzl. Grüsse an die Eltern u. an Liesel

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Autor: Peter Engelhardt
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