Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Zweiter Jahrgang

Feldpost September 1943


149.
Deba, 4.9.43
Mein über alles geliebtes Goldschätzchen!
Am Donnerstag erhielt ich gerade noch Deinen so lieben Brief vom 27.8., be­vor ich zu meiner Verhandlung weg fuhr. Ich danke Dir von ganzem Herzen für all Deine liebe Zeilen. Ja mein liebes Goldschätzchen, nun ist die Sache auch vorbei. Ach mein über alles geliebtes Schätzchen, ich bin ja so froh, dass alles noch so gut ab ging. Ich hatte ja bestimmt mit 1 1/2 bis 2 Jahre gerechnet. Nun wurde ich aber doch nicht so hart bestraft. Der Antrag lautete auf 1 Jahr Gefängnis und Rangver­lust. Dann ging aber der Richter noch auf 8 Monate herunter. Nun kommt es erst nach Berlin zur Bestätigung. Ich habe jetzt noch ein Gesuch eingereicht, in dem ich um eine Bewährungsfrist bat. Wenn ich nun Glück habe, dann komme ich sogar mit 2 bis 3 Monate weg u. wenn ich mich in der anderen Zeit wo ich wieder frei bin bewähre, das heisst ich führe mich gut u. anständig, so dass man mir nichts nach­sagen kann, dann ist der Rest der Strafe erlassen. Nun wollen wir das Beste hoffen und ich will Gott bitten, dass er mir gnädig ist u. dass er mir beisteht. Ich denke dass ich Dir in etwa 14 Tage Bescheid geben kann, wann ich etwa zu Dir kommen darf u. was aus mir wird. Ach mein liebes Schätzchen, am schlimmsten ist es ja, dass ich nun nicht mehr Uffz. bin. Daran wird nichts mehr zu ändern sein. Nun muss ich wieder ganz von vorne anfangen als kleiner Grenadier. Aber ich werde al­les daran setzen, dass ich so rasch wie nur möglich wieder vorwärts komme. Das ist ja nun kein Grund, dass ich den Kopf hängen lasse. Nun werde ich meinen neuen Vorgesetzten, die ich dann bekomme, erst mal so richtig zeigen, was ich kann u. was in mir steckt. Ich habe es mir bestimmt nicht umsonst verdient u. ich denke, dass ich es auch wieder schaffe.


152. (DOPPELT NUMMERIERT)
Deba 9.9.1943
... ich habe heute Nacht gar nicht gut geschlafen, und heute bin ich so unruhig. Gestern Mittag las ich von dem Luftangriff auf Stuttgart. Hoffentlich ist zu Hause nichts passiert. Ich bekam auch schon lange keine Post mehr. Wenn doch nur die­sen Teufeln mal das Handwerk gelegt würde. Aber die Vergeltung wird sie noch furchtbar treffen. Ach mein liebstes Goldschätzchen, bleibe mir blos von Stuttgart weg, und bleibe schön brav zu Hause. Ich wüsste ja nicht, was ich anfangen sollte, wenn Dir da mal etwas passieren würde. Wenn wir doch blos mal nach England rü­ber könnten, um diese elende Verbrecher unschädlich zu machen. ...
Aber auch diese Zeit geht vorüber und dann scheint uns die Sonne des Glückes u. hoffentlich auch die des Friedens umso schöner u. heller. ...
Meine allerliebste H..., gestern bekam ich auch mal wieder einen Brief von der Liesel. Ach sie ist doch ein armer Kerl u. wirklich zu bedauern. Sie hat doch an­dauernd Pech. Nun hat sie von ihrem Bräutigam einen Brief bekommen, der an eine Trudel gerichtet war. Dann noch das Unglück in Hamburg u. ihr Bruder ist auch wieder auf Feindfahrt. Die Liesel ist ja so hoffnungslos. Sie schreibt, es wäre ihr am liebsten, wenn es bei ihr auch reinhauen würde, aber so, dass sie gleich tot ist. Der arme Kerl ist auch ganz allein und hat nirgends eine Hilfe u. einen Trost. ...


153.
Deba, 10.9.43
... Ach mein über alles geliebtes Schätzchen, was du da vom Steinmetz schreibst, das passt mir ja gar nicht. Tu mir um Gottes Willen den Gefallen und versuche nochmals alles, dass dich das Arbeitsamt freigibt. Du musst sagen oder schreiben, dass Du 1. nicht mehr so schwer arbeiten kannst, da Du Beschwerden hast im Un­terleib, Aufgrund des Sturzes von der Leiter. 2. Dass ich in den nächsten Wochen in Urlaub komme und wir dann Heiraten ... Na ich werde Dir das mal aufsetzen und beilegen, dann schreibst Du gleich nochmals an das Arbeitsamt. Ich dulde das nicht, dass Du nochmals nach Stuttgart gehst. Dazu bist Du mir viel zu wertvoll, als dass Du dich noch länger bei diesen Menschen herumplagst. Dazu noch die dau­ernde Gefahr Deines Lebens durch die Luftangriffe. Das geht auf gar keinen Fall. Die sollen mal sein Geschäft geschlossen lassen und ihm erst mal lernen, wie man sich als Deutscher u. als Nationalsozialist zu verhalten u. zu Benehmen hat. Der Krieg ist schliesslich nicht dazu da, dass sich solche Herren auf Kosten ihrer Mitmenschen bereichern. Denn anders ist es ja bei ihm nicht. Ich habe sein Arbeiten schon etwas durchschaut. Das Beste wäre halt, wenn ich jetzt schon kommen könnte, aber das geht nun leider nicht. Hoffentlich gelingt es Dir aber, dass Du zu Hause bleiben darfst.


155.
Deba, 15.9.43
... heute kann ich Dir eine sehr freudige Nachricht geben. Heute morgen kam nun mein endgültiges Urteil an. Also mir blieb fast die Sprache weg, als ich das gehört und gelesen hatte. Ach mein liebstes Schätzchen, ich hätte in dem Moment alles umarmen können. Ja stelle Dir mal vor, ich habe nun 4 Wochen Arrest bekommen u. der Rangverlust ist vorläufig auch aufgehoben, sowie die ganze andere Strafe. Ach mein liebstes Schätzchen, ich bin ja so froh und glücklich, dass alles so gut ab­ging. Nun muss ich mich halt fest anstrengen, damit ich immer gute Beurteilungen bekomme und dass ich mir nie wieder etwas zu Schulden kommen lasse, sonst muss ich die andere Strafe auch absitzen. Aber so weit kommt es nicht. Das ist mir nur einmal passiert dass sie mich einsperren, ein zweites Mal passiert mir so was nicht mehr. Ich werde mich anstrengen, dass ich so rasch wie möglich die Strafe nicht nur aufgeschoben, sondern ganz erlassen bekomme. ...
Ich fahre hier etwa am 10. Oktober ab!!!


164.
Deba, 30.9.43
... Auch recht vielen Dank für die Lebensmittelmarken. Aber mein liebstes Schätz­chen, Das sollst Du mir doch nicht schicken, wo ihr doch davon so wenig habt.
... nun habe ich wohl in der Aufregung vergessen Dir zu schreiben, wo ich hin kom­me. Ja ich muss zuerst zu meinem Ersatztruppen Teil zurück nach Berlin. Dort will ich nun mal sehen, dass ich zuerst meinen Urlaub bekomme. Vielleicht gelingt es mir auch, dass ich wo anders hin versetzt werde. Mal sehen, was daraus wird. Lei­der kann ich Dir erst wieder mehr schreiben, wenn ich in Berlin bin. Ich dürfte ei­gentlich in 14 Tagen nur 1 Brief schreiben u. da muss ich sehr vorsichtig sein u. im­mer heimlich schreiben. Deshalb ist es wirklich auch immer so wenig. Na aber nun sind es ja nur noch 7 Tage. Ich fahre schon am 7. oder 8. hier weg. Ab 10. kannst Du nach Berlin schreiben. Dort ist meine Anschrift. Inf. Nachr. Ers. Kp.76. Berlin - Spandau. ...

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einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
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Autor: Peter Engelhardt
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