Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Zweiter Jahrgang

Feldpost Mai 1943


80.
29.4.43
Mein liebstes Schätzchen!
Heute an meinem Geburtstag habe ich ja so viele schöne, gute u. freudige Sa­chen bekommen, dass ich ganz bestimmt zufrieden sein kann. Zuerst meinen aller­herzlichsten Dank für Deinen lieben Brief vom 20.4. sowie für deine 4 lieben Päck­chen. Ach mein liebstes Schätzchen, das war ja mein schönstes Geburtstagsge­schenk u. ich habe mich darüber sehr gefreut. Mein herziges Schätzchen, auch an Deine Eltern viele Grüsse u. recht herzlichen Dank für die Zigaretten u. auch für die Grüsse. ...


81.
2.5.43
Meine geliebte H...!
Bitte entschuldige vielmals, dass ich Dir erst jetzt wieder schreibe. Aber leider hatte ich in den letzten Tagen sehr wenig Zeit. ...
Mein liebstes Schätzchen, mir geht es ja immer noch gut u. ich hoffe, dass es auch Dir recht gut geht. Am 1. Mai, also gestern wollte uns der Russe ärgern, aber er hat sich blutige Köpfe geholt. Na nun wird es ihm ja wieder für einige Zeit rei­chen. Nun weiss er ja u. hat es auch ordentlich zu spüren bekommen, dass wir ei­sern hier stehen u. uns nicht bluffen lassen. ...


84.
10.5.43
... Nun mein geliebtes Schätzchen, setze Dich mal erst hin wenn Du gerade ste­hen solltest. Jetzt geht es nämlich los. Sage mir doch mal, wie das eigentlich ist. Ach ich frage da noch. Das ist allerhand. Das ist die Höhe u. zwar 10 Meter lichte Weite. Ach so, nun willst Du ja auch noch wissen um was es sich handelt. Ach ich bin ja so aufgeregt. Ich weiss schon gar nicht mehr, was ich Dir alles schreiben wollte. Nun mein Liebling aber mal Spass bei Seite. Du meinst also, dass ich Deinetwegen nicht mehr befördert werden brauche, denn das hätte noch Zeit. Damit meinst Du ja das Heiraten, denn darauf habe ich ja in meinem Brief angespielt. Was soll das blos wieder heissen. Hast Du eigentlich noch nie daran gedacht, dass Du möglichst bald meine Frau werden sollst? Na da wird es so langsam Zeit, dass Du Dich mit diesem Gedanken vertraut machst. Oder willst Du mich vielleicht nicht mehr haben? Na ich glaube ja nicht, dass Du mir so etwas antun kannst und willst. Na wir werden ja sehen wie es noch wird. Vorläufig heisst es ja abwarten und Tee trinken. Mein liebstes Schätzchen, nun pass mal auf, was ich Dir jetzt sage.
Also erstens gibt es diesen Sommer noch Urlaub u. ein wunderschönes Wie­dersehen. Zweitens ist dieses Jahr noch der Krieg aus. Drittens kommen wir dann bald nach Hause u. es wird dann nochmals Urlaub geben. Nächstes Jahr wird Eng­land erledigt u. damit dürfte der Krieg aus sein. Was dann als 5. kommt, wirst Du Dir ja denken können. Da gibt es wieder Urlaub u. da ja der Krieg aus ist, können wir heiraten. Dann wird es ja auch höchste Zeit, sonst gefällt Dir womöglich doch noch ein anderer besser, oder es dauert Dir auch zu lange. Was sagst Du nun? Ich bin ganz schön verrückt, oder nicht? Ach mein liebstes Schätzchen, ich würde Dich ja am liebsten schon beim nächsten Urlaub heiraten. ...


86.
15.5.43
... Entschuldige bitte vielmals, dass ich Dir nun einige Tage nicht geschrieben habe, aber es ging leider nicht früher. Der Russe ist mal wieder übermütig geworden u. hat uns angegriffen. Wir haben immer noch Alarm, aber es ist jetzt gerade etwas ruhiger geworden u. diese Zeit muss ich rasch ausnützen, um Dir mal wieder ein paar Worte zu schreiben. ...
Hoffentlich beruhigt sich der Russe wieder, nicht dass nochmals eine Stockung im Urlaub eintritt. Ach nun muss ich für heute leider schliessen, denn bald muss ich wieder raus. ...


89.
19.5.43
... Heute war mal wieder ein trüber Tag. Seit heute früh um 3 Uhr regnete es fast ununterbrochen. Sonst ist aber alles in Ordnung. Der Russe verkriecht sich ja bei so einem Wetter auch in seine Bunker. ...


Peter und Lothar Gruber April 1943
"Peter und Lothar Gruber April 1943"
Grubers Kamerad Peter wurde später schwer verwundet.

90.
20.5.43
Mein liebstes Schätzchen!
Heute ist mal wieder ein herrlicher Tag gewesen u. dazu hatte ich heute mal wieder ziemlich viel Zeit für mich. Ach mein Liebling, wie schön wäre es doch, wenn ich endlich einmal wieder so einen Tag mit Dir verbringen könnte. Weisst Du, so trübe und öde dieses Russland auch ist, so gibt es doch auch noch sehr schöne u. reizvolle Teile. Nun haben wir mal das Glück, in einer ziemlich schönen Gegend zu liegen. Heute haben wir nach dem Essen eine Schnellschussübung ge­schossen. Anschliessend habe ich dann einen Kameraden besucht. Es war ein sehr schöner Nachmittag und Abend. Hier von der Stellung aus muss ich etwa 10 Minu­ten bis zu unserem Bataillons-Gefechts-Stand gehen. Dieser liegt am Ostufer eines Flusses, der etwa so gross ist wie der Nekar bei Heilbronn. Er hat ein ziemlich tief eingeschnittenes Bett. Dort habe ich mit meinem Kameraden einen sehr schönen Spaziergang gemacht,. Wir liefen bei einem wunderschönen Sonnenuntergang ent­lang des Flusses und sassen etwa 1 Stunde lang auf einem riesigen angeschwemm­ten Felsblock. Ach mein liebstes Schätzchen, wie schön wäre es erst gewesen, wenn ich da erst mit Dir hätte zusammen sein können. Es war ja so eine herrliche Ruhe. Die Vögel sangen so wunderschön, dass man bestimmt den ganzen Krieg eine Zeit lang vergessen konnte. Ach weisst Du mein geliebtes Schätzchen, mit diesem Ka­meraden verstehe ich mich so wunderbar, wie wenn er mein Bruder wäre. Mit die­sem Menschen kann ich mich mit allem u. über alles unterhalten und ausspre­chen. Es ist mir der liebste und wertvollste Kamerad, den ich seither kennen ge­lernt habe. Na mein liebster Schatz, was denkst Du auch, was er von Beruf ist? Er studiert Theologie, um Pfarrer zu werden. Ja, und obwohl er Katholisch ist, verste­he ich mich ganz grossartig mit ihm, in jeder Beziehung. ...


92.
23.5.43
... Die Sonne lachte den ganzen Tag von einem heiteren Himmel. Heute morgen war ich zuert in der Sauna u. habe mal wieder ein ordentliches Schwitzbad genom­men. Ach weisst Du mein Liebling, danach fühlt man sich wie neu geboren. Da ist man von allem befreit und so richtig unternehmungslustig. Anschliessend gab es erst mal ein prima Mittagessen bestehend aus Nudeln mit Gulasch u. Pudding. Es hat ganz prima geschmeckt. Nach dem Essen habe ich einen schönen Sonntag-Nachmittag- Spaziergang gemacht. Ach es war so schön. Ich war anfangs allein u. mit meinen Gedanken bei Dir. ...


94.
25.5.43
... Auch bei uns ist jetzt immer ein sehr schönes Wetter. Leider hat es aber den einen Nachteil, dass wir nun wieder eine Unmenge von Stechmücken haben. Mein liebstes Schätzchen, Du kannst Dir ja kaum vorstellen, was das für eine Plage ist. In solchen Mengen findet man zu Hause keine Schnaken. In diesem Russland gibt es ja das ganze Ungeziefer tausendfach. Es ist so eine richtige Brutstätte in diesen un­endlichen Sumpfgebieten. Wir haben auch immer das Glück, gerade an bzw. in so einem Sumpfgebiet zu liegen. Das letzte Jahr war es in dem schrecklichen Sumpf u. Urwald am Wolchow u. dieses Jahr ist es nicht viel besser. Na diese Zeit geht auch vorüber u. die Mücken verschwinden auch wieder. Wir haben ja schöne Mücken­schleier, die uns ganz gut schützen. Es fehlen nur noch ein paar Lederhandschuhe, denn die Bande sticht ja durch Wollhandschuhe hindurch. Na nun wollen wir aber die Mücken in Ruhe lassen u. von etwas anderem schreiben. Mein liebstes Schätz­chen, weil Du da gerade vom Kino schreibst, so will ich dasselbe tun. Ich war näm­lich heute auch im Kino. Wenn es auch nur eine ausgeräumte Russenwohnung ist in der höchstens 80-100 Soldaten Platz haben, so war es doch sehr schön. Es wurde der Film Truxa gezeigt, der mir prima gefallen hat. Ach es war doch wenigstens mal wieder eine kleine Abwechslung.


98.
30.5.43
... Nun ist also gestern unser Kam. Abend gewesen. Es war sehr schön u. wir haben mal für ein paar Stunden den ganzen Krieg vergessen. Heute morgen hatte ich wohl noch einen schweren Kopf, denn es wurde sehr spät, als wir Schluss machten.
Nun mein liebstes Schätzchen will ich Dir aber zuerst schreiben, was es neues hier gibt. Es ist ja nicht das erfreulichste, aber es ist doch sehr viel wert. Mein Chef hat mich zu einem Lehrgang gemeldet auf eine Uffz. Schule und dieser beginnt am 10. Juli. Er ist in Polen auf der Strecke zwischen Krakau u. Lublin. Das erste ist also mal, dass es für 1/4 Jahr raus geht aus Russland. Nun ist es ja ganz schön, wenn man mal für eine Zeit lang aus der Gefahrenzone raus kommt, aber die Sache hat ja nun noch einen Haken, der mir ja überhaupt nicht passt. Stelle Dir mal vor, nun hätte ich gerade so Anfang Juli in Urlaub fahren können u. gerade in dieser Zeit be­ginnt der Lehrgang. Ach es ist ja nicht zum glauben. Nun muss ich womöglich bis Okt. oder November warten, bis ich endlich mal bei Dir sein darf. Ich glaube ja kaum, dass es während dem Lehrgang mal Urlaub gibt. Ach mein Liebling, ich würde ja viel lieber zu Dir kommen u. auf den Lehrgang verzichten. Aber Befehl ist Befehl. Ich müsste ja meinem Chef dankbar sein, dass er mir die Möglichkeit zum vorwärtskommen gibt. Er kann ja auch nichts dafür, dass der Lehrgang gerade zu dieser Zeit beginnt. ...

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einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
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Autor: Peter Engelhardt
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