Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Zweiter Jahrgang

Feldpost Juli 1943


Beim Schach vor der Unterkunft in Deba Juli 1943
"Beim Schach vor der Unterkunft in Deba Juli 1943"

101.
Spandau, 3.7.43
Mein aller liebstes Goldschätzchen!
Jetzt ist es Samstag Abend, und ich sitze hier in der Kaserne. Ich kann heute nicht ausgehen, da ich Bereitschaftsdienst habe. Na das ist ja weiter nicht schlimm, denn ich fühle mich draussen so schrecklich einsam. Immer sind meine Gedanken nur bei Dir. Was Du wohl jetzt machst? Es ist gerade 8 Uhr. Ach mein geliebter Goldschatz, wenn ich nur bei Dir sein könnte. Ich weiss hier gar nicht was tun, weil Du mir einfach fehlst! Ich war noch nirgends, ausser bei ein paar Kameraden, die ich besucht habe.
Mein geliebtes Schätzchen, am Montag entscheidet es sich nun, ob ich noch­mals kommen kann oder nicht. Ich muss am Montag früh zum Chef kommen. Mei­ne ganzen Sachen habe ich schon. Es fehlt nur noch der Urlaubsschein. Na hof­fentlich bekomme ich einen. Ach mein herziges liebstes Schätzchen, ich wüsste nicht was tun, wenn ich nicht mehr vorbei kommen könnte. Ich glaube dann reisse ich einfach aus.
Mein Goldschatz, sonst ist ja Berlin ganz schön. Der Tommy hat allerdings auch viel zusammen geworfen. Das habe ich jetzt erst so richtig gesehen, nachdem ich Kreuz und Quer durch Berlin gefahren bin. Es liegt ja fast jeder Kamerad in ei­ner anderen Gegend. Ich habe auch auf der Reichskanzlei einen Besuch gemacht. Dort ist auch ein Kamerad von mir. Morgen früh gehe ich nach Potsdam in die Gar­nisions-Kirche. Diese ist ja sehr schön. ...


102.
6.7.43
Mein geliebtes Schätzchen,
Diesen Brief schreibe ich Dir heute so ungern, wie ich noch nie einen Brief ge­schrieben habe. Stell Dir mal vor, der Chef lässt mich nicht weg. Ach es ist ja zum verrückt werden. Als ich das gestern erfuhr, bekam ich so eine Wut, dass ich ihm am liebsten an den Kragen gesprungen wäre. Es ist nun leider so, dass wenn ich nach Polen fahre, dass ich immer über Berlin fahren muss und deshalb lässt mich der Chef nicht fahren. Ach wenn ich das früher gewusst hätte, dann wäre ich noch ein paar Tage bei Dir geblieben. ... Du kannst Dir die Enttäuschung kaum vorstel­len, nachdem ich mich so sehr darauf gefreut hatte, Dich nochmals wieder zu se­hen. Nun freut mich schon gar nichts mehr. Wenn es ja nicht so arg weit wäre, dann wäre ich einfach so gefahren. Aber bei 1500 Km kann man sich ja nicht dau­ernd vor der Streife verstecken. ... Ach wenn Du wenigstens ein Telefon hättest, da­mit ich Dich mal anrufen könnte, um noch einmal Deine geliebte Stimme zu hö­ren. ...


103.
10.7.43
... Nach langer Fahrt sind wir gestern Abend in Krakau angekommen. Heute Mittag geht es von hier weiter. Es ist hier sehr schön. Die Stadt hat wunderbare Bauwerke. Es sind sehr viele deutsche hier. ...


104.
Deba, 12.7.43
... Nun ist der erste Tag des Lehrgangs auch schon vorüber, ...
Mein liebstes Goldschätzchen, gestern früh war ich in Krakau in einer deut­schen Kirche bei der Frühmesse. Ich war dort in 4 Kirchen. Sie waren alle ganz wunderbar. Ach mein liebstes Schätzchen, ich werde es bestimmt nie bereuen, dass ich Kath. werde. Weisst Du mein Liebling, so etwas hat mir seither immer ge­fehlt. Das merke ich jetzt erst so richtig, da ich es habe. ...


105.
Deba, 13.7.43
...
Mein liebstes Schätzchen, ich habe heute Abend meinen Ahnenpass voll geschrie­ben und morgen schicke ich ihn zur Bescheinigung an das Standesamt. Ich habe auch gleich meine ganzen Heiratspapiere angefordert. Mein herziger goldiger lie­ber Schatz, schreibe mir doch bitte gleich, ob es Dir recht ist, wenn wir im Oktober Heiraten. Ich muss dann bei Zeit um einen Heiratsurlaub einreichen. ...


108.
16.7.43
... Ja es ist auch toll mit dem Dienst. Dienst, lernen und schlafen ist unsere einzige Beschäftigung und da für die beiden letzten wenig Zeit ist, so gehen die Tage rasch vorbei. Nun ist es schon wieder 10 Uhr u. ich bin immer noch im Dienst. Heute bin ich fast die ganze Nacht auf den Beinen. Ich habe heute U. v. D. u. da muss ich 4 Kontrollgänge machen von je 3/4 Stunden zwischen 10:20 Uhr u. 5 Uhr morgens. Um 5 Uhr ist schon wieder wecken. Na, morgen ist ja Samstag, dann kann ich mor­gen Abend zeitig schlafen gehen. ...


109.
Deba, 18.7.43
... Ausgehen kann man hier ja kaum. Wir haben eine Kantine, 2 Soldatenheime u. ein Kino. Die anderen Kompanien haben auch noch eine Kantine, aber was ist das schon für über 10 000 Soldaten die hier liegen. Bis zum nächsten grösseren Ort sind es über 20 Km und sonst ist hier nichts. Überall so kleine Kaffs, wo man nichts bekommt und dahin gehe ich nicht.


120.
Deba, 31.7.43
... Mein geliebtes Schätzchen, nun ist auch die dritte Woche hier vorüber und nun sind es nur noch acht Wochen. ...
Ich kann deinen lieben Brief leider erst morgen beantworten, da mir heute die Zeit dazu nicht reicht. Wir haben nämlich Alarm. Hier haben so ein paar Partisanen ir­gend etwas gemacht und die müssen wir nun suchen. ...

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einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
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Autor: Peter Engelhardt
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