Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Zweiter Jahrgang

Feldpost Januar 1943


1.
Russland, den 1. Januar 1943
Meine liebste H...!
Nun sind wir glücklich im neuen Jahr gelandet, wenn auch leider fern von Dir. Ach mein Liebling, das neue Jahr hat ja für mich so wunderbar begonnen, mit einer so grossen Freude, die ich Dir gar nicht beschreiben kann. Heute morgen kam ein Kamerad und weckte mich mit den Worten: Hier, Lothar, hast ein paar Briefe! Da war ich natürlich sofort wach und ich freute mich, als ich auf einem Luftpostbrief Deine liebe Schrift erkannte. Als ich den Brief dann geöffnet habe, da traute ich meinen Augen kaum. Kam da doch Dein geliebtes und so schönes Bild zum Vor­schein. Ach mein herzallerliebstes Schätzchen, ich konnte mich gar nicht satt se­hen an diesem schönen Bild. Ich danke Dir dafür von ganzem Herzen. ...
Liebste H..., nun will ich rasch weiterschreiben. Ich wurde vorhin durch das Essen unterbrochen. Heute gab es ein richtiges Festmahl. Zuerst eine Hühnerbrü­he mit Nudeln als Suppe und dann Salzkartoffel mit Hühnerbraten und als Nach­tisch Vanille Pudding mit Himbeersaft. Wenn man da nicht zufrieden ist, dann weiss ich nicht. Ach mein süsser Liebling, wie gerne hätte ich diese guten Sachen mit Dir geteilt. ...
Meine liebste H..., ich beginne heute, meine Briefe laufend zu nummerieren, dann hast Du eine Kontrolle, ob Du auch immer alle erhältst. Wie geht es Dir sonst im­mer mein Liebling? Hoffentlich recht gut, was ich ja auch von mir sagen kann. In unserem jetzigen Abschnitt ist es sehr ruhig. Hoffentlich bleibt es auch eine Zeit­lang so. Wir fühlen uns dabei ganz wohl. ...


2.
3. Januar 1943
Meine liebste H...!
Nun sind wir heute "endlich" mal wieder umgezogen. Es ist ja heute auch Sonntag und da konnte es ja nicht anders sein. Der Sonntag ist von jeher unser Rei­setag. Heute ging es nicht besonders weit. Es wurde nur der Gefechtsstand um etwa zwei Kilometer verlegt. Nun ist es 1/2 8 Uhr und wir haben schöne Musik im Radio. Vor mir steht Dein liebes Bild auf dem Tisch, in einem von einem Gefange­nen geschnitzten Rahmen. Wie schön müsste es jetzt bei Dir zu Hause sein. ...


3.
4. Januar 1943
... Heute ist nun mal wieder so ein elender Montag und obendrein stürmt es heute ganz toll, dabei taut es aber. ...


4.
GESCHRIEBEN AUF FERN/FUNK/BLINK - SPRUCH FORMULARE
Russland, 6.Januar 1943
Mein liebstes Schätzchen!
Entschuldige bitte, dass ich Dir heute auf so einem Papier einen Brief schrei­be. Ich habe gerade so schön Zeit, aber leider kein anderes Schreibmaterial zur Hand und ich möchte Dir doch ein paar Worte zukommen lassen.
Meine liebste H..., ich sitze seit 7 Uhr heute früh hier auf unserer vorgescho­benen Beobachtungsstelle mit meinem Funkgerät und gebe unsere Beobachtun­gen an den Kommandeur durch. Heute geht es hier ganz toll zu. Unsere Artillerie deckte den Russen direkt mit Ihren Granaten zu. Es war ein tolles Schauspiel, als die Granaten um 1/2 8 Uhr ankamen. Wir liegen etwa 400 m vor den russ. Bunkern und konnten mit den Scherenfernrohren jede Einzelheit erkennen. Es war gerade­zu ein gigantisches Schauspiel, wie unter den berstenden Granaten die Bunker zer­fetzt wurden, Bäume umfielen u. durch die Luft geschleudert wurden. Dann setz­ten unsere Maschinengewehre ein und der Stosstrupp trat zum Angriff an. Wir konnten alles genau verfolgen. Dann waren sie an den Bunkern u. nun wurden un­sere Sprengladungen angebracht u. ein Bunker nach dem anderen flog in die Luft. Der Russe hatte sehr hohe Verluste, eine ganze Anzahl Gefangene, und unsere Männer kehrten alle wohlbehalten zurück. Nun ist es 11 Uhr und in einer halben Stunde steigt dasselbe etwas weiter rechts. Auch das wird gut gehen, denn schon rauschen wieder die ersten Garben auf die russischen Stellungen.
Meine liebste H..., nun habe ich Dir auch einmal etwas von unserem Leben hier geschrieben. Es ist alles gar nicht so gefährlich, wie es aussieht, man muss halt ein bischen Glück dabei haben, ohne das geht es natürlich nicht. Und Glück habe ich bis jetzt immer gehabt und ich hoffe, dass es auch weiterhin so bleibt. Ach mei­ne liebste süsse H..., ich habe ja nun immer Dein liebes und schönes Bild bei mir und es ist für mich ein Talisman und es wird mich immer und überall beschützen. Ja mein Liebling, ich habe oft das Gefühl, wie wenn mich Deine Liebe mit einem Panzer umgeben würde und mich so vor jeder Gefahr schützt. ...


(ohne Nummer)
7. Januar 1943
... Nun ist es auch schon wieder 10 Uhr und ich will mich schlafen legen. Morgen früh um 5 Uhr muss ich schon auf Spähtrupp. ...


10.
14.1.1943
Meine liebste H...!
Heute ist nun der Tag, wo ich schon eigentlich in Polen sein sollte. Nun ist lei­der dieser Lehrgang auf unbestimmte Zeit verschoben. Das ist ja sehr schade, aber leider ist nun nichts mehr daran zu ändern. ...
Meine liebste H..., habe mich nun heute ordentlich ausschlafen können. Bin heute erst um 10 Uhr aufgestanden. Das hat gut getan. Na jeder Tag ist ja nicht so wie gestern. Im allgemeinen ist es sehr lustig bei uns. ...


12.
18.1.1943
... Wir waren gestern etwa 7 Km zurück beim Tross, wo wir mal wieder ordentlich gebadet und auch unsere Sachen entlaust wurden. Ach liebste H..., da fühlt man sich wie neu geboren. Sowas müsste man halt öfter machen können. Man darf ja oft gar nicht daran denken, wie oft man sich zu Hause immer wäscht, sonst schmeckt einem das Essen gar nicht mehr. Aber was soll man schon anderes ma­chen?
Mein liebster Schatz, heute ist es nun ein Viertel Jahr, dass ich von Dir Ab­schied nehmen musste. Ach mein Liebling, was liegt nun schon wieder alles hinter uns und was steht uns noch bevor. Wenn es so bleibt wie seither, dann können wir den Winter ja gut verbringen. Was dann im Frühjahr kommt, werden wir schon se­hen. Meine liebste H..., nun sind schon wieder Urlaubskarten gekommen und ich bin wieder um 3 Stellen aufgerückt. So kommt der Tag, wo auch ich wieder in Urlaub fahre und auf den ich so voll Sehnsucht warte. ...


13.
20.1.1943
Mein liebster Schatz!
Will Dir heute Abend wieder ein paar Zeilen schreiben. Vor einer Viertelstun­de bin ich heimgekommen. Ich habe einen 1 Stündigen Abendspaziergang ge­macht, den sogenannten Grabendienst. Da werden die Posten kontrolliert und nachgesehen ob alles in Ordnung ist. ... Das Wetter ist so schön mild. Es schneit ganz fein und es ist eine wunderbare Ruhe. ...


14.
21. Januar 1943
... Ach mein liebster Schatz, heute war ja so ein herrliches Wetter. Es war so schö­ner Sonnenschein u. gar nicht kalt. ...., nun habe ich noch eine Bitte. Kannst Du nicht irgendwo etwas Briefpapier auftreiben? Ich habe fast nichts mehr und kann hier zur Zeit nichts bekommen. ...


15.
23.1.1943
... Ja meine liebste H..., ich kann Gott sei Dank auch von mir nur gutes berichten und das ist ja für uns wichtig. Es kann alles noch so schlimm sein, wenn es einem gut geht und man übersteht alles gut, so ist es auch nur halb so schlimm. Meine liebste H..., Gott sei Dank ist Deine Befürchtung, dass wir eingeschlossen sind falsch. Uns hat der Russe nicht bekommen. Wir haben ihn in der Flanke gepackt und da musste er ausweichen. Dadurch kamen wir vom Hauptbrennpunkt etwas weg und bekamen auch Luft. Na ja, dies ist auch alles gar nicht so schlimm, wenn wir nur öfter in Urlaub fahren könnten, dass ich recht oft bei Dir mein Schätzchen sein könnte. ...


16.
25. Januar 1943
... Ich warte immer voll Sehnsucht auf den nächsten Posttag, der mir wieder so viel Freude bringt mit einem lieben Gruss von Dir. Weisst mein Schatz, bei uns kommt die Post nur jeden zweiten oder auch mal jeden dritten Tag nach vorne in die Stel­lung. ...


18.
29.1.43
... In diesen Tagen arbeiten wir nämlich vor allem Nachts. Wir legen vor der Stel­lung Minen u. Hindernisse, damit uns der Russe nicht überrascht. Dann haben wir mehr Ruhe vor seinen Spähtrupps. ...


19.
30.1.43
... Es ist jetzt Samstag Abend. Wir hörten heute die Reden von Göring und Göbbels. Nun spielt eine schöne Unterhaltungsmusik vom Sender Belgrad. ...
Mein liebstes Schätzchen, mache Dir bitte keine Sorgen, wenn die Post mal 8 oder 10 Tage ausbleibt. Ich werde Dir ja immer so oft wie nur möglich schreiben, aber es gibt auch mal Zeiten, wo man einfach nicht dazu kommt. Wenn wir mal wieder auf dem Marsch sind, so brauchen wir ja bei dem tiefen Schnee sehr lange und da ist man abends dann so müde, dass man kaum mehr schreiben kann. So ein Marsch kann ja auch oft noch länger dauern, aber dann gibt es sicher mal eine Gelegenheit, um wenigstens einen kurzen Gruss zu schreiben. ...


20.
31. Januar 1943
... Mein liebster Schatz, weisst Du eigentlich noch, wann und wo wir uns zum ers­ten Mal gesehen haben? Das war doch entweder im Dezember 1940, oder gleich im Januar 1941. Ich war damals mit meinen Freunden Herbert u. Kurt in der Rose. Wir sassen damals an dem Tisch rechts neben dem Billiard. Ja, und dann wollte ich Dich noch heimbringen, da warst Du aber schon weg und ich wusste nicht wohin. Dann habe ich Dich ein paar Tage später beim einkaufen gesehen und hab Dich eingeladen. Leider wolltest Du nicht und hast mir einen Korb gegeben. Dann habe ich Dich wohl nur noch zwei oder drei mal gesehen, denn dann ging es ja zum Mi­litär. Siehst Du, als ich dann im April in Urlaub kam, da musste es wohl so sein, dass ich Dich gleich getroffen habe. Wenn es damals auch sehr kurz war, so war es doch sehr schön und ich werde diesen schönen Spaziergang im April 1941 nie ver­gessen. Ja mein Liebling und dann habe ich am 29. April so lange auf Dich gewar­tet. Ich wollte mich von Dir verabschieden. Dann verging eine so lange lange Zeit, bis ich endlich wieder zu Hause war. ...


Titelseite des Pdf-DokumentesGoldschätzchen, stell Dir doch
einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
1,4 MByte
XinXii
Download des Dokuments
Downloadseite

Wenn Ihnen diese Seiten gefallen, können Sie diese unterstützen, indem Sie beispielsweise die Briefe und Tagebücher als PDF-Dokument über XINXI per Paypal zum Preis von 5.- € auf Ihren Rechner laden.
Seitenlogo: Bildmontage von Lothar Gruber mit verkleinerten Fotos und einer Tagebuchseite

©
Aller Bilder und Texte:
Peter Engelhardt

Ochsenhausen
Reisefährten
Webprojekte
Webkatalog

Feldpost
Navigation
Monat Jahr
1942
1943
1944

XStat-Homepage


Valid XHTML 1.0 Transitional


Autor: Peter Engelhardt
Auf Google+

Die Tagebücher wurden ins Russische übersetzt
Über eine E-Mail freut sich der Autor! Obenstehenden Artikel ausdrucken! Suchen Sie auf diesen Seiten einen Begriff? Ein kleiner Eintrag im Gästebuch wäre nett. Zum Portal der Webprojekte des Autors Vorherige Seite Nach oben Nächste Seite