Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Zweiter Jahrgang

Feldpost Februar 1943


Meldestaffel Trachowschtschina-Sowat Februar 1943
"Meldestaffel Trachowschtschina-Sowat Februar 1943"

21.
3. Februar 1943
... Meine liebste H..., nun muss ich gleich mal etwas fragen, sonst vergesse ich es. Ist eigentlich von mir schon einmal ein Brief geöffnet worden? Hier ist nämlich ei­ner reingefallen, der Geld in Briefen weggeschickt hat, da dies ja verboten ist. Es ist nun möglich, dass die Briefe in letzter Zeit kontrolliert wurden. ...


22.
4.2.43
Mein geliebtes Schätzchen.
Heute war mal wieder ein sehr schöner Tag und auch ein Denkwürdiger. Heu­te beginnt nun schon mein drittes Dienstjahr bei der Wehrmacht. Es begann sehr schön. Ich ging morgens mit den Skiern weg, um ein paar Kameraden meiner Er­satzkompanie zu besuchen. Zuerst sind wir ein paar Stunden durchs Gelände ge­fahren. Es war ja so schönes Wetter. Da hat es Spass gemacht. Nach dem Essen ha­ben wir dann ein wenig gefeiert. Ich bekam von meinem Oberleutnant eine Flasche Kognak. Nachmittags hatten wir noch das Glück, ein paar frohe Stunden zu ver­bringen. Wir bekamen Besuch aus Wien. Es waren zwei Mädels u. ihr Vater. Sie spielten Zitter und sangen schöne Lieder dazu, die uns die Heimat wieder sehr nahe gebracht haben. Ach mein Schätzchen, hättest Du doch dabei sein können, dann wäre es nochmal so schön gewesen. Aber meine Gedanken waren ja während der ganzen Zeit nur bei Dir. Ach mein Liebling, es war ja so wunderschön. Fast wie zu Hause. Weisst, das hat mich auch an meine Arbeitsdienstzeit erinnert. Da war ich doch in Österreich und da war auch mal so ein Abend, wo österreichische Mä­del Volkslieder gesungen haben. Und nun bin ich wieder in meinem Bunker. Wir liegen hier auf einer Höhe und unser Bunker liegt da wie eine Almhütte. wenn man herauskommt, kann man nach hinten gleich eine schöne Abfahrt den Berg hinunter machen. Hier könnte es ja ganz schön sein, wenn nicht dieser elende Krieg wäre. Aber mit Deutschland ist es doch nie zu vergleichen und ich würde auch nie tauschen. ...


23.
5.2.43
Mein liebstes Schätzchen!
Nun ist es gleich wieder 12 Uhr. Ich habe noch Brandwache bis 2 Uhr und da will ich Dir noch ein Brieflein schreiben. Es ist zur Zeit ja so schön ruhig bei uns. Heute Abend waren wir ja wieder mal so richtig fröhlich. Vor einigen Tagen kam ein Kamerad vom Urlaub. Es ist so eine richtige "Berliner Grossschnauze", aber ein prima Kerl und vor allem ein lustiger Kerl. Der bringt immer Stimmung in unseren Haufen. Nun gab es heute 1 Flasche Likör für 8 Mann und da gab er nun ein paar Sachen zum Besten. So unter anderem eine Führer Rede, Moser, Theo Lingen, Za­rah Leander usw. Uns tat der Bauch weh vor lauter Lachen. Es war bestimmt sehr gemütlich. Ja meine liebste H..., so vertreiben wir hier die trüben Gedanken und lassen nie eine miesse Stimmung aufkommen. Auch der Russe kann uns trotz al­lem unseren Humor nicht rauben. ...


24.
6.2.43
Mein geliebtes Schätzchen!
Voll Freude erhielt ich heute deinen lieben und grossen Brief vom 24.1. Liebs­te H..., ich danke Dir von ganzem Herzen für diese so lieben Worte. Ach ja wie schön wäre es jetzt bei Dir zu Hause im schönen warmen Zimmer. Nun ist es wie­der Samstag Abend. Es ist bereits wieder 1/2 11 Uhr, aber weisst mein liebstes Schätzchen um diese Zeit ist es halt immer am ruhigsten und da schreibe ich Dir am gernsten. Ach weisst mein Liebling, schreiben würde ich Dir ja zu jeder Stunde, aber dazu kommt es ja leider nicht. Man muss halt die Zeit so ausnützen, dass man recht viel davon hat und am meisten habe ich ja davon, wenn ich so schön Ruhe habe und an mein herzallerliebstes Schätzchen denken darf. Wirklich habe ich ja Gott sei Dank ziemlich viel Zeit und kann Tag und Nacht in Gedanken bei meiner Liebsten sein. Mein liebstes Schätzchen, heute war ich wieder 4 Stunden unter­wegs beim Skifahren. Das macht mir mächtig Spass und es ist ganz gut, wenn man ein wenig Sport treiben kann, dann rosten einem die Knochen nicht ein.
Mein herzallerliebstes Schätzchen, Du schreibst mir, dass es sehr schade ist, dass ich nicht bei Dir sein kann, sonst könnte ich fühlen, wie glücklich Du bist. Nun, mein liebstes Schätzchen, Du darfst mir glauben, dass ich das ganz genau spüre. Deine Briefe sind ja so voll Liebe und Glück, dass es gar nicht anders sein kann. Und wieviel freudige, schöne und glückliche Stunden bereitest Du mir mit diesen allerliebsten Zeilen. Ach mein liebstes Schätzchen, ich kann Dir ja dafür zur Zeit nur so weit danken, dass ich Dir so oft wie nur möglich schreibe und Du weisst ja, dass ich das furchtbar gerne mache. Meine liebste H..., so gerne und so freudig wir auch unsere Pflicht erfüllen, so wären wir natürlich alle sehr froh, wenn der ganze Krieg mal ein Ende hätte und wir könnten zu unseren Liebsten heimkehren. Na wir wollen ja feste hoffen, dass dies nicht mehr allzu lange dauert. Mein liebstes Schätzchen, weisst zur Zeit ist man zu Hause ja auch nicht mehr sicher. Da können auch zu jeder Stunde die feindlichen Flieger kommen. Auch wir denken oft mit Bangen u. Sorgen an unsere Liebsten zu Hause. Vor allem dann, wenn es im Radio heisst, der Tommy war in Süddeutschland. Dann warte ich immer voller Sorge auf die nächste Post und es ist dann immer eine grosse Beruhigung, wenn da steht, dass der Tommy nicht da war, oder dass wenigstens nichts passiert ist. Mein liebs­tes Schätzchen, wenn wir auf Spähtrupp gehen, dann melden wir uns dazu nicht freiwillig. Da muss einmal der eine mit und das nächste Mal der andere. Ich bin schon auf so viel Spähtrupps mitgewesen, dass ich kein Verlangen danach habe. Vor allem jetzt bei dem tiefen Schnee u. dem 40 Pfund schweren Funkgerät. Wenn man dann wie üblich so 5-8 Stunden unterwegs ist, dann sind wir immer restlos bedient. Dann fehlt uns nichts mehr. Es ist ja nur gut, dass der Russe kein guter Soldat ist und nicht so gut ausgerüstet u. ausgebildet ist, sonst hätten wir bei der zahlenmässigen Überlegenheit keinen guten Stand. Mein liebster Schatz, dass es schiefgehen könnte, daran denken wir auch nicht. Wenn man da so im Kampf steht, dann gibt es nur einen Gedanken, denn dabei geht es ja immer aus Ganze u. der heisst: "Du oder ich, aber zuerst Du!" Ja meine liebste H..., ich hätte nie ge­dacht, dass man so kalt u. brutal sein kann. Aber wenn es ums eigene Leben geht, dann kommt das ganz von selbst. Da kommt der Selbsterhaltungstrieb erst so rich­tig durch. Jedem ist sein Leben ja lieb u. wert und da wehrt man sich seiner Haut nach, wenn man auch noch so schlecht steht. Na man braucht halt immer etwas Glück dazu und das war ja bis jetzt immer auf meiner Seite. Am meisten habe ich ja in meinem letzten Urlaub Glück gehabt, dies spüre ich immer stärker und es ist bald soviel, dass ich gar nicht mehr weiss wohin damit. Ich sehe schon, da hilft nur noch Urlaub oder Versetzung auf den Burgholzhof. Ach wenn das doch nur so ein­fach wäre, dann wäre ich ja schon längst dort. Aber vorläufig müssen wir dem Rus­sen erst den Rest geben, sonst läuft er uns blos nach, was unter keinen Umständen sein darf.
Nun mein liebstes Schätzchen, ist es nicht schön, dass Du um die viele Post beneidet wirst? Ach meine Kameraden sagen es ja auch schon, dass ich so viel schreiben würde. Mein herziger Schatz, ich freue mich ja immer so sehr, wenn ich in Deinen lieben Briefen lese, dass Du Dich immer so freust und dass Du so glück­lich bist. Das ist ja das schönste und ich glaube auch fest daran, dass diese Liebe für immer hält und höchstens noch fester u. tiefer wird. Ich weiss ja nicht, ob dies nun richtig ist, was ich da jetzt schreibe, aber ich sage mir immer, ein Mädel muss man sich erobern. Es ist bestimmt nicht das richtige, wenn ein Mädel zu allem gleich ja u. Amen sagt. Darum glaube ich auch, dass es bei uns nur noch schöner werden kann und dass wir uns das nächste Mal bestimmt noch mehr lieben wer­den. Mein geliebtes Schätzchen, einmal hatte ich ja furchtbar Angst, Dich noch­mals zu verlieren. Weisst Du noch, wie wir damals im Kirchengarten sassen und Du warst so unglücklich und hast geweint? Liebste H..., ich weiss nicht, was ich da angefangen hätte, wenn Du nein gesagt hättest. Ich wusste mir damals nicht mehr zu helfen, denn ich wollte Dich doch nicht mehr hergeben, aber dass Du mit mir unglücklich geworden wärst, das hätte ich auch nie ertragen können. Und als ich Dir dann am anderen Tag ein Bild von mir gab, und Du sagtest dabei lachend: "Den behalte ich jetzt für immer!", da war ich ja so unsagbar glücklich, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich sagen sollte. Ja mein über alles geliebtes Schätzchen, das war für mich der schönste Augenblick. Da wusste ich; nun ist alles gut, nun kann nichts mehr schiefgehen. Liebste H..., ich hatte in dieser Nacht kaum geschla­fen, so glücklich war ich da und ich danke Gott, dass er mir in Dir so ein unendlich grosses Glück und so viel Liebe geschenkt hat. ...
...
Dass auch jetzt gerade dieser Krieg sein muss, der uns immer wieder für so lange u. unbestimmte Zeit trennt. Aber es gibt hierzu ja ein Lied. "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei und für uns kommt ganz bestimmt ein sehr schöner Mai."
Liebstes Schätzchen, war denn der Bohnenkaffee so stark, dass Du Herzklop­fen davon bekommen hast? Na die Hauptsache ist ja, wenn er gut geschmeckt hat. Meine liebste H..., ich weiss ja nicht, warum ich Dir den Kopf kameradschaftlich waschen soll, aber wenn Du meinst, dann besorge mal ein gutes Shampon, dann will ich meine Kunst mal versuchen. Heute hätte ich ja eigentlich einen Anlass dazu, denn es ist ja allerhand, was da steht. Ich möchte mir ganz energisch verbit­ten, Deinen lieben Zeilen, die mir so viel bedeuten, den Namen Krampf zu geben und dann kann ich ja davon gar nicht genug lesen, wo sie mir immer so viel Freude bereiten und mich so glücklich machen. Die Bemerkung von wegen von Juden ab­stammen, schlägt ja dem Fass den Boden aus. Hast Du sie nicht gleich am Kragen gepackt? Mein liebstes Schätzchen und wenn das auch der Fall wäre, so würde dies an meiner Liebe zu Dir doch nichts ändern. Von wegen dem Rat, mich zu entloben, will ich ja gar nichts gelesen haben. Na ja, Spass muss sein, aber bestelle doch mal an Frau R... einen schönen Gruss und wenn sie Lust hat, sich mit mir auf Kriegsfuss zu stellen, so soll sie ruhig so weiter machen. Ich warne sie aber schon im voraus, denn sie zieht ja doch den kürzeren dabei. ...


25.
7.2.1943
... Heute weht wieder ein starker und kalter Wind, der uns die ganzen Stellungen verweht. Da heisst es immer feste Schneeschippen. Der Februar soll ja in dieser Gegend der Schneereichste Monat sein, aber wenn es so bleibt, dann sind wir zu­frieden. 1/4 des Monats ist schon vorbei und es ist kaum etwas Schnee gefallen. ... Bei uns geht es ja mit der Kälte. Wir hatten auch schon ein paar sehr kalte Tage, aber 52 Grad wie letzten Winter erreichten wir nicht. Nun geht es ja auch so lang­sam dem Frühjahr entgegen. ...


27.
10.2.43
... 1 Brief vom 28.1., 4 Päckchen mit Zucker, 1 Päckchen mit Zuckerpralinen und zwei Päckchen mit Zigaretten und Briefpapier sind heute angekommen. ...
Der Russe verhält sich immer noch ruhig u. wir raten es ihm, uns nicht zu ärgern. Er wird sowieso bald den letzten Rest bekommen. Wir glauben sicher, dass diese verzweifelten Angriffe sein letztes Aufbäumen sind. ...


28.
11.2.43
Mein geliebtes Schätzchen!
Beim Kerzenschein und bei schöner Musik vom Sender Belgrad will ich Dir mein Liebling noch ein paar Zeilen schreiben. Soeben kommt das Lied: Es geht al­les vorüber. Dies kommt jeden Abend um 3/4 10 Uhr aus Belgrad. Die haben ja gut reden. Freilich geht alles vorüber, aber es dauert halt sehr lange, bis es endlich mal so weit ist. Na hoffen wir, dass hier wenigstens bald alles vorüber ist, damit ich recht bald wieder bei meinem lieben Schätzchen sein darf und recht viele schöne und glückliche Stunden mit Dir verbringen darf. ...


30.
14.2.43
Mein liebes Schätzchen.
Wir haben einen sehr schönen Sonntag-Vormittag. Die Sonne scheint so schräg zu unserem Bunkerfenster herein. So erwarten wir nun bei schöner Musik das Mittagessen, das heute wieder aus einem Braten und Pell-Kartoffeln besteht. ... Draussen wird nun alles zu Wasser und nun fängt bald wieder der Schlamm und Morast an. Wir können es ja kaum glauben, dass der Winter schon zu Ende sein soll, aber uns kann es ja nur recht sein. Es ist für uns ja nur zum Vorteil. ...
Nun mein Schätzchen, habe ich noch etwas auf dem Herzen. Es werden doch zur Zeit alle Frauen u. Männer zu irgend einer Arbeit herangezogen. Meine liebste H..., wie sieht es damit bei Dir aus? Musst Du da nun auch irgendwo anders hin zum arbeiten, oder darfst Du bleiben wo Du bist? Mein liebstes Schätzchen, schrei­be mir doch bitte darüber, wie sich diese Verordnung auswirkt. Wenn Du weg musst, dann bekommst Du hoffentlich eine recht gute Stelle. Am liebsten wäre es mir ja, wenn Du dort bleiben könntest, oder aber dann in ein Büro kommst, aber ja nicht irgendwo so in einem Betrieb. ...


34.
18.2.43
... Ich bin ja gespannt, ob es mit dem Sender Belgrad klappt. ...


35.
19.2.43
Mein liebstes Schätzchen!
Bitte entschuldige vielmals, wenn ich nun gestern mein Versprechen nicht ge­halten habe, aber durch die Rede von Dr. Göbbels ist ja nun leider die Sendung ausgefallen und heute kam nun leider auch nichts. Es ist ja sehr schade, aber daran lässt sich leider nichts ändern. Es wird wohl nicht das einzige sein was wir uns wünschen und was nicht in Erfüllung geht.
...
Ach ja mein geliebtes Schätzchen, wie schön wird es doch dann wieder wer­den, wenn es einmal heisst "der Krieg ist aus," es ist wieder Frieden. Wenn man wieder alles kaufen kann was man will und man hat wieder seine Liebsten und die Heimat. Dann wollen wir aber das Leben so gut wie nur möglich ausnützen und unser Glück voll und ganz auskosten.
Mein liebes Schätzchen, nun hat ja Dr. Göbbels unseren Feinden zu verstehen gegeben, was sie von uns zu erwarten haben. Leider verlangt dieser totale Einsatz aller zur Verfügung stehender Kräfte auch von der Heimat manches schwere Opfer. Aber er muss nun mal sein, wollen wir unser Leben und unser Land vor dem bol­schewistischen Terror bewahren. Umso heller und schöner wird uns aber dann die Sonne scheinen, wenn wir erst unsere Feinde geschlagen haben. Und das werden wir auch ganz gründlich machen, damit wir auch für alle Zeiten Ruhe haben. ...


Titelseite des Pdf-DokumentesGoldschätzchen, stell Dir doch
einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
1,4 MByte
XinXii
Download des Dokuments
Downloadseite

Wenn Ihnen diese Seiten gefallen, können Sie diese unterstützen, indem Sie beispielsweise die Briefe und Tagebücher als PDF-Dokument über XINXI per Paypal zum Preis von 5.- € auf Ihren Rechner laden.
Seitenlogo: Bildmontage von Lothar Gruber mit verkleinerten Fotos und einer Tagebuchseite

©
Aller Bilder und Texte:
Peter Engelhardt

Ochsenhausen
Reisefährten
Webprojekte
Webkatalog

Feldpost
Navigation
Monat Jahr
1942
1943
1944

XStat-Homepage


Valid XHTML 1.0 Transitional


Autor: Peter Engelhardt
Auf Google+

Die Tagebücher wurden ins Russische übersetzt
Über eine E-Mail freut sich der Autor! Obenstehenden Artikel ausdrucken! Suchen Sie auf diesen Seiten einen Begriff? Ein kleiner Eintrag im Gästebuch wäre nett. Zum Portal der Webprojekte des Autors Vorherige Seite Nach oben Nächste Seite