Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Zweiter Jahrgang

Feldpost Dezember 1943


Meine Zweite Gruppe Dezember 1943
"Meine Zweite Gruppe Dezember 1943"

194.
Osten, 4.12.43
Mein liebstes Schätzchen!
Habe gerade ein klein wenig Zeit u. da will ich Dir ein paar Worte schreiben. Wir waren mal wieder fast 3 Tage unterwegs u. sind nun wieder in einer schönen u. ruhigen Stellung. Ich bin in einem schönen u. guten Bunker drin. Er hat eine De­cke, dass er fast Bombensicher ist. ...


195.
Osten, 4.12.43
... Mein herzallerliebstes Goldschätzchen, meinen kleinen Hund habe ich immer noch bei mir. Er ist so nett, lieb u. anhänglich. Vielleicht habe ich Glück u. kann ihn im Urlaub mit nach Hause bringen. ...


196.
Osten, 6.12.43
...
Mein liebstes Schätzchen, nun will ich Dir noch etwas berichten. Ich bin nun nicht mehr Gruppenführer, sondern Truppführer und zwar bei einem mittleren Granat­werfer. Ich bin wohl noch bei der gleichen Einheit, aber ich bin nicht mehr ganz vorne in der Stellung, sondern etwa 500 Meter weiter zurück. Jetzt ist es also für mich nicht mehr so gefährlich und Du kannst wieder etwas beruhigt sein. Wenn nun der Russe angreift, dann bin ich nicht so gefährdet und ich kann ihn mit schweren Sachen abweisen. Es ist immerhin eine acht Zentimeter Granate und sie hat eine sehr starke Wirkung. Na ist Dir das nicht recht, wenn ich nun ein wenig weiter zurück bin? ...


198.
Osten, 8.12.43
... Wir haben heute unsere Stellung fertig bekommen u. ziehen nun morgen früh um. Es geht etwa 500 Meter zurück. Von da aus werden wir dann ein paar Sachen zu unserem Freund Iwan rüberschicken. So nennen wir den Russen. ...


199.
Osten, 9.12.43
Meine herzallerliebste Braut!
Nun sind wir also heute früh umgezogen u. befinden uns jetzt in unserer neu­en Unterkunft. Wir haben diesmal einen sehr guten Tausch gemacht, denn unser neuer Bunker ist viel schöner. Er ist grösser und heller und wir fühlen uns hier sehr wohl. ... Wir haben uns nun ganz nett eingerichtet und morgen werden wir ihn noch etwas verschönern. Für dein Bild habe ich schon einen Platz gefunden u. nun hängt es neben mir u. neben meinem Bild an der Wand. ...


201.
Osten, 10.12.43
... Manchmal halte ich es ja kaum mehr aus vor Sehnsucht, aber es muss nun halt auch so gehen. Es ist nun einmal Krieg und da kommt halt in erster Linie die Pflicht. Diese Pflicht tun wir ja alle sehr gerne, denn die Heimat und damit seine Liebste zu schützen ist ja das grösste was wir tun können und dafür ist uns auch kein Opfer zu gross u. keine Pflicht zu schwer. So sind auch alle meine Gedanken immer bei Dir, bei Gott u. der Heimat. ...
Mein liebstes Goldschätzchen, mein Peterle liegt leider immer noch im Laza­rett. Er bekam eine Blutübertragung und ich hoffe, dass es ihm jetzt besser geht. Er lässt Dich recht herzlich grüssen. Mein liebstes Schätzle, Deine Frage ob wir auch lachen, kann ich mit ja beantworten. Unseren Humor verlieren wir nicht u. wenn es noch so schlimm kommt. Dass es dabei recht viel zu lachen gibt, kannst Du mir glauben. Über den Ausschnitt vom NS Kurier haben wir alle gelacht. Ja es ist drol­lig, auf was die Kinder nicht alles kommen. ...


203.
Osten, 13.12.1943
... Einmal kommt doch auch für uns wieder die Stunde unseres Wiedersehens. Wir kommen ihr ja jede Sekunde näher. Wenn wir erst mal 1944 schreiben, dann kann man schon besser rechnen. Mit Urlaub kommen wirklich fast nur Bombengeschä­digte ran. In Berlin haben sie ja schrecklich gehaust. Mein über alles geliebtes Schätzchen, ich bin ja so froh, dass es Dir immer noch recht gut geht u. vor allem, dass Dir die Flieger noch kein Unglück gebracht haben. Wir wollen hoffen u. fest auf Gott vertrauen, dass es auch weiterhin so bleibt. Ich bitte ja Gott immer, dass er Dich beschützt und ich glaube bestimmt, dass er mir diese Bitte erfüllt. ...


205.
Osten, 15.12.43
... Ich will Dir nun noch etwas von meiner Freundin schreiben. Ich habe Dir doch mal geschrieben, dass wir so einen netten kleinen Hund haben. Es ist eine Mi­schung von Wolfs.- u. Schäferhund mit dem Namen "Freia". Seit einiger Zeit ge­hört er nun mir. Sein Herr ist weggekommen und da habe ich ihn nun zu mir ge­nommen. ach mein Liebling, es ist ja so ein netter Kerl. Er ist immer bei mir u. fühlt sich sehr wohl. Na Du weisst ja wie gerne ich Hunde habe u. dann kannst Du Dir auch denken, dass er es bei mir gut hat. Ach es ist eine nette Abwechslung. Er ist jetzt etwa 4 Monate alt u. hat Lust, den ganzen Tag zu spielen. Er schläft nachts im­mer bei mir u. wenn ich nicht mit ihm weg bin, liegt er auch tagsüber auf meinem Bett. ...


206.
Osten, 17.12.1943
Mein liebstes Schätzchen!
Mit grosser Freude erhielt ich heute Deinen so lieben Brief vom 6.12., für den ich Dir von ganzem Herzen danke. Dieser Brief kam ja rasch an und so habe ich gar nicht gemerkt, wie lange Du nicht geschrieben hast. Die Post kommt ja wirklich so unregelmässig an. Vor etwa einer Woche habe ich einen Brief vom 25.11. u. vor 3 Tagen einen vom 22.11. erhalten. ...
Ich wäre ja gerade an diesem Tag besonders gerne bei Dir gewesen. Leider war das aber nicht möglich. Wir können halt hier nicht alle einfach weg, wie wir ge­rade wollen, sonst würde uns der Russe nachlaufen und den wollen wir uns und vor allem Euch vom Halse halten. Das ist ja schliesslich sehr nötig. ...


209.
Osten, 21.12.43
... Ich begehe halt nun in Gedanken und in Träumen das Weihnachtsfest mit Dir zusammen. Mein über alles geliebtes Goldschätzchen, das Schlimmste dabei ist nur das Erwachen. Ich kann es oft kaum glauben, dass ich in meinem Bunker in Russland bin, wenn ich nach so einem schönen Traum erwache. Da schaue ich mich dann ganz ungläubig in meinem Bunker um. Aber so ist nun halt mal der Krieg mit seiner harten und unerbittlichen Wirklichkeit. Aber lass mal, mein herz­allerliebstes Goldschätzchen, sie kann noch so hart und unerbittlich sein, ich lasse mich von ihr trotzdem nicht unterkriegen. Das wäre ja gelacht! ...


210.
Osten, 22.12.1943
Mein herzallerliebstes Goldschätzchen!
Ach heute war ja ein so wunderschöner Tag und da muss ich Dir noch ein Brieflein schreiben und Dir sagen was los war.
Ja, mein allerliebstes Goldschätzchen, da wirst Du staunen! Was denkst Du auch, wo ich heute war? Aber das errätst Du sicher nicht. Heute war bei uns Feld­gottesdienst. Es war eine heilige Messe mit Kommunion und Beichte. Ach mein über alles geliebtes Goldschätzchen, es war ja so schön und wir sind alle wieder ge­stärkt, erfrischt und neu aufgerichtet in unsere Bunker heimgekehrt. Der Herr Pfar­rer war aus Heilbronn. Er hat sehr schön und gut gesprochen und wir hatten alle sehr viel von dieser Stunde. Es war sehr schade, dass unsere Zeit so knapp war. Ich hätte gerne noch mit dem Herrn Pfarrer gesprochen. Aber vielleicht haben wir das nächste Mal etwas mehr Zeit. Ach mein über alles geliebtes Goldschätzchen, ich werde es nie bereuen, dass ich in die Kath. Kirche übergetreten bin, im Gegenteil, ich werde alles versuchen, damit ich so rasch wie möglich getauft werden kann, da­mit ich recht bald an all der grossen Güte und Gnade unserer Kirche auch teilneh­men kann. ...


211.
Osten, 23.12.1943
Meine geliebte H...!
In einer Stunde ist auch dieser Tag wieder zu Ende und es trennen uns nur noch wenige Stunden von dem heiligen Christfest. Ach mein über alles und einzig treu geliebtes Goldschätzchen, was wirst Du wohl in dieser Stunde machen? Sicher sind Deine Gedanken unterwegs zu mir und vielleicht sind sie irgendwo das draus­sen mit meinen zusammengetroffen. Mein herziges liebstes Schätzchen, ich muss dabei immer an die lieben und guten Worte unseres Pfarrers denken. Er hat uns gestern mit seiner Weihnachtspredigt so viel schönes gegeben und wir werden noch lange an diese Stunde denken, in der wir unserem Gott und Erlöser so nahe waren. Ach mein herzallerliebstes Goldschätzchen, ich will unserem lieben Gott und auch Dir immer dankbar sein, dass er mich durch Dich so unendlich glücklich gemacht hat und mich zu dieser guten und schönen Glaubensgemeinschaft ge­führt hat.
Meine über alles geliebte H..., heute haben wir uns nun auch äusserlich fest auf Weihnachten vorbereitet. Wir haben ein schönes kleines Christbäumchen ge­richtet und alles schön sauber gemacht. Ach da hättest Du mal zusehen müssen, wie wir heute alle geschafft haben. Da wurden die Fenster geputzt, der Tisch mit Glasscherben und heissem Wasser geputzt, dass wir morgen alles recht schön ha­ben. Heute abend bekamen wir Kekse, Bonbons, 1Tafel Schokolade, Zigarren, Ziga­retten, Tabak, Weinbrand u. Sekt. Das ist aber noch nicht alles. In den nächsten Ta­gen soll es noch einige gute Sachen geben. Du siehst also, dass es uns gut geht und dass wir eine ganze Menge gute Sachen bekommen. Aber wie gerne würde ich doch auf all das verzichten, wenn ich doch nur jetzt bei Dir sein könnte. Hoffent­lich ist uns dies das nächste mal möglich. Und nun mein liebes Goldschätzchen, will ich mich schlafen legen und noch recht schön und lieb von Dir träumen.
Von ganzem Herzen grüsst Dich recht lieb und küsst Dich viel tausend mal ganz innig,
Dein Dich ewig treu liebender
Lothar


203. (EIGENTLICH: 213.)
Osten, 25.12.43
Meine liebste H...!
Nachdem nun auch der erste Weihnachtsfeiertag vorüber ist, will ich Dir noch einen kleinen und lieben Gruss schicken. Es geht mir immer noch sehr gut und dies hoffe ich ja auch ganz besonders von Dir. Wir haben auch den heutigen Tag wieder ganz gut und schön verbracht. Es war ziemlich ruhig. Heute früh wollte uns der Russe mit Artilleriefeuer ärgern, was ihm aber sehr schlecht bekommen ist. Wir haben mit allen Waffen so stark geantwortet, dass ihm die Lust zum schiessen ver­gangen ist. Sonst war alles sehr ruhig und der Iwan liess uns in Ruhe. Hoffentlich hat auch euch der Tommy in Ruhe gelassen. ...


214.
Osten, 26.12.43
... Am liebsten würde ich ja meine Sachen packen und dann so schnell wie möglich zu Dir kommen. Aber das geht ja nun leider nicht, sonst hätte ich es schon längst gemacht. Zuerst kommt unsere Pflicht dem Vaterlande und damit auch Dir gegen­über. Diese Pflicht erfüllen wir ja gerne, denn damit dürfen wir ja Euch von einem Teil der Schrecken dieses Krieges schützen. Wenn wir hier alle heimgehen würden, dann käme uns der Russe ja sofort nach und dann wäre es aus mit aller Herrlich­keit. Es käme dann ja für uns alle nur noch viel schwerer. ...


215.
Osten, 27.12.43
..., wegen der Kälte mach Dir mal keine Sorgen. Wir haben sehr schönes Wetter. Es ist noch gar nicht kalt. Schnee liegt natürlich überall, aber wir ziehen ja kaum mal die Winterbekleidung an. ...


216.
Osten, 29.12.43
... Mein herzallerliebstes Goldschätzchen, mein Heiratsgesuch läuft jetzt. Aber es wird doch so etwa 5 bis 6 Wochen dauern, ehe dann alles so weit ist, dass ich die Genehmigung bekomme. Wenn es aber dann so weit ist, werde ich sofort Heirats­urlaub einreichen. Wir wollen dann aber hoffen, dass ich diesmal etwas mehr Glück habe u. ihn bekomme. Der Februar ist ja schon der 8. Monat seit meinem letzten Urlaub und nach 8 bis 9 Monaten müsste ich sowieso wieder dran sein. Aber darüber wollen wir uns noch nicht den Kopf zerbrechen, denn es kommt ja doch meistens anders als man denkt....

Titelseite des Pdf-DokumentesGoldschätzchen, stell Dir doch
einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
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Autor: Peter Engelhardt
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