Goldschätzchen, stell Dir doch einmal vor, der Krieg sei aus



Feldpost
Briefe des Soldaten Lothar Gruber
1942-1944


Eine Auswahl in Auszügen

Erster Jahrgang

Feldpost Oktober - November 1942


Fahrt Richtung Cholm Sprengung unseres Zuges Oktober 1942
"Fahrt Richtung Cholm Sprengung unseres Zuges Oktober 1942"
Unterwegs sollte unser Zug zweimal in die Luft fliegen, was er aber nicht tat...

Russland, 27.10.42
Mein liebster Goldschatz!
Heute früh kam ich nun wieder hier an. Unsere Fahrt ist noch gut verlaufen. Ein paar hundert Meter vor unserem Ziel haben uns russ. Flieger angegriffen, ohne uns jedoch zu treffen. Das war ja die Hauptsache. Wir liegen jetzt wieder wo an­ders, in einer ziemlich ruhigen Stellung. ...


28.10.42
Meine liebste H...!
Nun ist schon wieder ein Tag vorbei. Es war alles ruhig. Habe mich wieder so gut wie möglich eingerichtet. Man gewöhnt sich ja schnell an die veränderte Lage, aber es fehlt einem doch so manches. Am meisten fehlst Du mir ja, meine geliebte H... Ach weisst liebste H..., ich bin jetzt gerade zwei Stunden Wache gestanden und es war so schön ruhig. Der Mond schien und es war so schön Sternenklar. Da hab ich so richtig vor mich hingeträumt und es war so wunderschön. Da war ich im Geiste bei Dir mein liebster Schatz. Du warst mir so nahe und standest mir so deut­lich vor Augen, dass ich fast glauben konnte, Du wärst wirklich bei mir. Hoffentlich wird es bald wieder Wirklichkeit. ...


29.10.42
... Als ich heute Mittag von einer Streife zurückkam, erwartete mich eine sehr freu­dige Überraschung. Auf meinem Platz lagen Deine zwei lieben Briefe. .... Ach liebs­tes Schätzchen, was muss ich da noch lesen. Ihr hattet Fliegeralarm. Hoffentlich hat er Euch soweit in Ruhe gelassen. Aber auch dem Engländer gewöhnen wir das noch ab. ...


31.10.42
... Mein liebster Schatz, heute war ein sehr schöner Tag. Das Wetter war ganz schön zu dieser Jahreszeit. Wir waren heute vormittag im Kino und zwar in dem Film "Das Verlegenheitskind." Es war ein ganz netter Film. Wir haben mal wieder or­dentlich gelacht. Ach mein Schätzchen, so einen Film sollte ich mir halt mit Dir zu­sammen ansehen können. Na vielleicht geht es schneller als wir denken. ...


2.11.42
... Leider ist unsere Zeit wirklich etwas knapp, da wir viel zu tun haben. Ich weiss noch nicht, ob es mir in den nächsten acht Tagen möglich ist, viel zu schreiben, aber sofern es geht, bekommst Du recht oft Post. Wenn es nicht geht, so sei mir bit­te nicht böse. Wir treten morgen eine "Urlaubsfahrt ins Blaue" an. So nennen wir es. Bin nur gespannt wohin es geht. Am schönsten wäre es halt, wenn es nach Deutschland ginge, aber da müssen wir noch eine Zeitlang warten. ... Ach wenn erst mal der Krieg aus ist, dann wird es ja erst richtig schön. Meine über alles ge­liebte H..., dann wird aber gefeiert, dass es eine wahre Freude ist.
Liebste H..., nun ist es schon wieder 3/4 10 Uhr und ich muß gleich auf Posten ziehen. Es ist gar nicht so kalt und auch sehr ruhig. Da bin ich wieder zwei Stunden ganz bei Dir. ...


7.11.42
Meine liebste H...!
Endlich ist es nun wieder so weit, dass ich Dir mal wieder schreiben kann. Es war mir leider früher nicht möglich zu schreiben. Wir haben schon viel erlebt in­zwischen. Nach einer viertägigen Bahnfahrt sind wir im Mittelabschnitt ausgeladen worden. Unterwegs sollte unser Zug zweimal in die Luft fliegen, was er aber nicht tat. Einmal sind durch die Sprengung acht Wagen entgleist u. beim zweiten Mal merkten wir es schon früher. Nun sind wir schon zwei Tage auf dem Marsch. Wir sind im Raume von Cholm zur Bekämpfung von Partisanen eingesetzt. Leider ist die Zeit heute zu knapp, um Dir darüber ausführlicher zu schreiben. Werde es aber so bald wie möglich nachholen. Es ist jetzt gleich 12 Uhr nachts und es ist die erste Nacht, wo wir mal etwas schlafen können, seitdem wir unterwegs sind. ...


8.11.42
Mein herziges Schätzchen!
Es ist jetzt gleich acht Uhr und ich sitze vor meinem Funkgerät. Ich spreche jede Stunde ein Mal mit meiner Gegenstelle. Da habe ich inzwischen Zeit, um Dir einen Brief zu schreiben. Das muss ich natürlich ausnützen.
Meine liebste H..., obwohl wir heute schon wieder umgezogen sind, ist es mir doch sehr gut gegangen. Die Leute hier sind sehr freundlich und tun einem alles. Dies ist hier eine Gegend, die vom Krieg fast nichts gespürt hat. Hier treiben sich nur Partisanen herum, die aber auch der Bevölkerung das Vieh stehlen. Da sind sie froh, dass wir nun hier sind. Ich habe zum Frühstück Milch getrunken u. dazu Bratkartoffel. Zum Mittagessen eine Hühnersuppe u. Bratkartoffel. Das war ja pri­ma. Es ist schade, dass wir von da weg mussten. Nun sind wir für heute nur provi­sorisch einquartiert und morgen geht es weiter. Hier lässt es sich schon aushalten. Wir sind in Häusern und da ist es schön warm. Da bringen wir den Winter gut vor­bei. ...


12.11.42
Mein liebstes Schätzchen!
Es ist jetzt ein Uhr morgens. Ich habe heute Nacht Vermittlungsdienst am Fern­sprecher. Da es um diese Zeit nicht viel zu tun gibt, denn die Herren schlafen ja doch, kann ich Dir dabei einen Brief schreiben. Dies ist ja meine liebste Beschäfti­gung. Vor allem wenn alles so schön ruhig ist wie jetzt und ich werde durch nichts gestört. Da sind meine ganzen Gedanken nur bei Dir mein Liebling. Was Du wohl jetzt machst? Vielleicht träumst Du gerade von mir, oder von den herrlichen und unvergesslichen Stunden, die wir mit einander verleben durften. Hoffentlich stört Dich aber der Engländer nicht, sonst soll ihn der Teufel holen.
Meine liebste H..., wenn ich so an diese schönen Stunden denke, dann halte ich es vor Sehnsucht fast nicht mehr aus. Ich möchte am liebsten davonlaufen und zu Dir meine Liebste zurückkommen. Wenn das ja ginge wäre ich schon längst wieder bei Dir. Aber das ist doch etwas zu gefährlich. Wenn ich auch durchkom­men würde, lange könnte ich doch nicht bei Dir sein und dann wäre alles aus. Da wollen wir doch lieber geduldig warten, biss wir das Glück haben und uns wieder­sehen dürfen. Wenn es auch oft schwer fällt. Ja, wenn man halt könnte wie man will, dann wäre alles gut. Aber auch dieser Krieg geht zu Ende und auch der Ameri­kaner verhindert unseren Sieg nicht. Ist der Krieg erst einmal aus, dann beginnt für uns erst eine Zeit, wie sie bestimmt nicht schöner sein kann. Meine liebste H..., ich würde ja gerne noch 50 Jahre beim Militär bleiben, wenn ich nur bei Dir oder we­nigstens in deiner Nähe sein dürfte. ...


17.11.42
Meine liebste H...!
Ich übersende anbei ein wenig Schokolade. Leider ist es keine ganze Tafel. Es hat nur etwa 2/3 gegeben. Aber es wird Dir auch so eine kleine Freude machen. ...
Liebste H..., heute schneit es bei uns wieder, aber es ist nicht kalt. Nun kommt der Winter also doch so langsam. Na wir haben ja zur Zeit noch gute und warme Unterkünfte. Da kann man es gut aushalten. ...
Ich möchte Dich halt am liebsten bei mir haben, oder bei Dir sein dürfen. Biss es aber endlich mal ganz so weit ist, werden noch viele Monate, wenn nicht gar 3-4 Jahre vergehen. Aber so lange dauert ja der Krieg nicht.
Liebste H..., wenn alles so bleibt wie jetzt, kann ich etwa im Juni oder Juli wie­der in Urlaub fahren. ...


19.11.42
... Wir liegen noch im gleichen Dorf und warten auf die weiteren Befehle. Heute morgen haben wir nun unsere Winterkleider erhalten. Einen ganz wunderbaren und schönen warmen Überanzug, ein Paar grosse Fausthandschuhe aus Schaffell, 1 paar prima Filzstiefel, 1 grossen Übermantel, 1 p. Pulswärmer und eine Garnitur dicke Unterwäsche. Nun kann der Winter ja kommen. Liebste H..., kalt ist es schon etwas, aber so schlimm ist das auch wieder nicht. Heute war es nahe daran und es hätte geschnieen. Lange lässt der Schnee bestimmt nicht mehr auf sich warten. Es war wenigstens so kalt, dass es nicht mehr geregnet hat. So sind die Wege wieder ganz fest und hart geworden. ...


19.11.42
... So ein Brief kann einem so unendlich viel geben, zumal wenn man in so einer elenden und trostlosen Gegend ist. Aber nicht nur hier, nein auch in den schönsten Teilen Deutschlands oder Frankreichs wird mir Deine Post immer das Liebste und schönste sein. ...


21.11.42
... Leider habe ich heute nicht so viel Zeit zum schreiben, aber ein kleines Brieflein reicht es doch. Wir haben hier einige grössere Bauarbeiten und die müssen rasch fertig werden. Sonst geht es mir aber immer noch gut und Dir mein Liebling hof­fentlich auch. Gerade spielt das Radio "Komm zurück". Es ist heute Abend ein pri­ma Programm. Wir haben Belgrad eingestellt. Es kommt die Sendung "wünsch dir etwas aus Belgrad". Lauter prima Sachen. ...


26.11.42
Meine liebste H...!
Heute komme ich nun endlich mal wieder zum schreiben. Bitte entschuldige vielmals, aber es ging beim besten Willen nicht früher. Wir sind nun mal wieder umgezogen und haben zwei Tagesmärsche hinter uns. Wir liegen in einem kleinen Dorf und müssen hier wieder sichern. Vor allem gegen Partisanen, aber auch gegen reguläre Truppen. Vorläufig lässt es sich hier ja ganz gut aushalten. ... mit Freude lese ich, dass es Dir immer gut geht. Kann ja von mir auch dasselbe berichten. Ich bin immer gesund und frohen Mutes. Nun bin ich gespannt, ob wir wenigstens über Weihnachten hier bleiben dürfen. Hier könnten wir ein schönes Fest verbrin­gen. Hoffentlich haben wir das Glück. ...
Meine liebste H..., bei uns geht es eigentlich mit der Kälte immer noch. Es hat­te schon ganz nett geschneit, aber es war immer noch zu warm. Der Schnee ging gleich wieder weg. Nun haben wir wieder viel Schlamm und Dreck und wir wün­schen direkt, dass der Schnee endlich bleibt, damit der Dreck verschwindet. ...


Titelseite des Pdf-DokumentesGoldschätzchen, stell Dir doch
einmal vor,der Krieg sei aus
140 Seiten, 10 Abbildungen
1,4 MByte
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Autor: Peter Engelhardt
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